„Im Kern sind wir alle gleich“

Erfahrungen aus der Begegnung in Namibia im Rahmen des Projektes „Same, same but different“

„Same same but different“ – das war das Motto, unter dem sich im September 2018 fünfzehn junge Menschen aus Deutschland und Namibia in Windhoek trafen, um gemeinsam Zeit zu verbringen und sich gegenseitig kennenzulernen.

Nach drei Vorbereitungstreffen in Deutschland war die Spannung der deutschen Teilnehmenden groß, endlich nach Namibia aufzubrechen. Die namibische Gruppe kannten sie nur von kurzen Steckbriefen und auch das Land kannten die meisten nur von dem, was sie vorher gelesen oder gehört hatten. Nach einer anstrengenden Reise war die Müdigkeit vorübergehend vergessen als sich alle Teilnehmenden in dem „base camp“, einem für drei Wochen für die gesamte Gruppe gemieteten Haus in Windhoek trafen. Alle freuten sich, „die anderen“ endlich kennen zu lernen. Nach einer ersten gemeinsamen Einkaufstour wurde der erste gemeinsame Abend gebührend mit einem namibischen Braai und einem Lagerfeuer gefeiert. Müde fielen besonders die Deutschen nach der langen Reise ins Bett, während die Namibier noch das Haus und seine Vorzüge erkundeten.

Am nächsten Morgen dann die ersten Herausforderungen: Die Tandems aus jeweils einem deutschen und einem namibischen Teilnehmenden teilte sich nicht nur ein Zimmer, sondern erhielten auch ein gemeinsames Budget, mit dem sie den Haushalt und das Zusammenleben organisieren mussten. Gemeinsam bemühten sie sich, einen Plan für die kommende Woche zu erstellen, wobei Unterschiede in den Essgewohnheiten und dem Bedürfnis nach Planung zu einer Hürde wurden, die im Verlauf der Begegnung immer wieder auftauchen würde. Eine Teilnehmerin schreibt: „I never knew that it could be this difficult and chaotic! Not only are we a lot of people (17 in total) but we also prepare food and cook meals very differently. It took us quite some time to figure out what exactly to buy: considering that Namibians eat a lot of meat, to cite „I have to eat meat every day“ and that there are also some vegetarians in the German group.“

Die ersten Schritte zusammen in Verbindung mit einigen kurzfristigen Programmänderungen forderte der Gruppe gleich zu Beginn einiges an Geduld ab. So waren alle froh als die größten organisatorischen Hürden überwunden waren und das inhaltliche Programm endlich starten konnte: Zunächst ging es in die Windhoeker Innenstadt und zu einer Besichtigung der wichtigsten Sehenswürdigkeiten rund um die Robert Mugabe Avenue, welche an vielen Stellen durch deutschen Einfluss aus der Kolonialzeit geprägt ist. Besonders beeindruckend war dabei der Besuch des Independence Museums, der den Begegnungscharakter widerspiegelte: Mit Geduld und Ausdauer erzählten viele Namibier ihre persönlichen Familiengeschichten bis zur namibischen Unabhängigkeit und darüber hinaus. Erste Kontakte waren definitiv geknüpft, sodass der Abend gemeinsam und gelassen bei einem Sundowner mit Blick über die Stadt ausklingen konnte.

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Am nächsten Tag ging es in das Daan Viljoen Game Reserve, in dem bei einer kleinen Wanderung nicht nur viele Gespräche entstanden und einige Tiere gesehen werden konnten, sondern auch die Hitze der namibischen Wintersonne kennen gelernt wurde. Abgerundet wurde der Abend mit einer Gruppenrunde mit Möglichkeiten der Reflexion des Tages, Teilen von Lerneffekten, aber auch Raum für Diskussionen.

Nachdem die Grundsteine gelegt wurden, stand auch schon das erste Wochenende und eine Exkursion in den Westen des Landes an: Es ging auf eine Farm in der Nähe der „Spitzkoppe“. Diese berühmte Felsformation sollte aber nicht das einzige Highlight des Wochenendes werden: Auf der Farm von Gastgeber Ricky wuchs die Gruppe weiter zusammen als sie gemeinsam auf dem Feuer kochten, unter freiem Sternenhimmel in der Halbwüste schliefen, einen Tag in der Küstenstadt Swakopmund verbrachten und Halbedelsteine sammelten und unter Rickys Anleitung zu Schmuck verarbeiteten.

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Zurück in Windhoek wurde das Wochenende mit einem Besuch auf dem Markt „Single Quaters“ abgerundet, wo selbst Veganer und Vegetarier das Kapana (kleine gegrillte Rindfleischstreifen), für das der Markt berühmt ist, probierten.

Zum Start der neuen Woche stand eine „partner’s day“ an, bei dem namibische Teilnehmende ihre deutschen Partner in ihren Alltag einbanden: Einige besuchten Veranstaltungen in der Universität, andere lernten die Lieblingseisdiele kennen oder nutzten den Vormittag, um bisher etwas zu kurz gekommen Schlaf nachzuholen. Im weiteren Verlauf der Woche wurde ein Tag in dem Stadtviertel Katutura verbracht, Teambuilding Übungen gemeistert, Heroes Acre (ein Denkmal zu Ehren namibischer Helden der Neuzeit) besucht und ein deutscher Abend mit Spätzle und Biertasting gefeiert. Jeder Programmpunkt wurde von den Teilnehmenden dazu genutzt, sich auszutauschen und von ihren Erfahrungen und Meinungen zu hören. Aber auch über das offizielle Programm hinaus, bot das Haus mit Aquapower-Sessions, Karaoke-Abenden, Schwimmkursen, Spielerunden, Lagerfeuer und Actionfilmen immer Beschäftigung. Dabei sind die abendlichen „group sessions“, zu einem festen Bestandteil geworden, um die Erlebnisse des Tages Revue passieren zu lassen und sich weiter auszutauschen.

Am zweiten Wochenende sollte es in den Norden des Landes gehen: Schon nachts ging es los, um größtenteils schlafend von dem Busfahrer Mike sicher zum Etosha Nationalpark gebracht zu werden. Gemeinsam wurden die verschiedensten Tiere entdeckt und ihr Verhalten in gelassener Atmosphäre kommentiert und in vielen Fotos und Videos festgehalten. Nach einer abendlichen, geräuschvollen Spinnenjagd ging es am nächsten Morgen zur Ombili Foundation, einem Projekt, das den traditionell nomadisch lebenden San, die Möglichkeit bietet, sesshaft zu leben und sich somit an aktuelle Herausforderung anzupassen. Anschließend wurde wieder der Etosha Nationalpark angesteuert, um vielleicht doch noch Löwen zu sehen. Dank Mike konnte sogar beobachtet werden, wie eine Löwenfamilie und ein Elefant gemeinsam den Abend am Wasserloch verbrachten. Auf dem Rückweg am nächsten Tag wurde noch der Cheetah Conservation Fund, ein Projekt zum Schutz von Geparden besucht.

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Auch die letzte Woche wurde in Windhoek verbracht, wobei es einen Musikworkshop mit dem namibischen Musiker Elemotho, eine Geburtstagsfeier, einen weiteren partner’s day, eine Präsentation und Diskussion über aktuelle deutsch-namibische Beziehungen und einen Besuch in einem Altersheim gab. Besonderes Augenmerk wurde in dieser Woche darauf gelegt, die Erfahrungen der Begegnungsphase zu dokumentieren und sich auf Medien zu einigen, mit denen sie später präsentiert werden sollten. Nach einigen Diskussionen wurde sich auf eine filmische Dokumentation bestehend aus den im Verlauf der Begegnung entstandenen Videos und einem Buch aus kreativen Darstellungen der Lernerfahrungen aller Teilnehmenden geeinigt und erste Beiträge erstellt.

Trotz eines holprigen Anfangs, in denen die Unterschiede im Vordergrund standen, wuchs die Gruppe immer weiter zusammen und fand immer mehr Gemeinsamkeiten, die sie stärker verbanden als sie die Unterschiede trennten. Zudem stellen sie nicht nur bei der abschließenden Evaluationsrunde fest, dass die wahrgenommenen Unterschiede größtenteils aus ihrer unterschiedlichen Sozialisation entstammen, ihre Gemeinsamkeiten aber in den Persönlichkeiten verankert sind. So ging die Begegnung zuende und es wurde sich vielfach mit Verweisen auf das Wiedersehen im nächsten Jahr in Deutschland verabschiedet.

 

Zum Projekt:

Die Begegnung ist eingebettet in ein zweijähriges Begegnungsprojekt von Welwitschia e.V. und FreeYourMind! Entertainment – Community Work. Ihr ging eine in beiden Ländern stattfindende Vorbereitungsphase voraus. Derzeit findet die Zwischenphase statt, die der Nachbereitung der ersten Begegnung, der Weiterarbeit an dem Film und dem Buch und der Vorbereitung der zweiten Begegnung dient, die im September 2019 in Osnabrück stattfinden wird. Im Mittelpunkt stehen das gegenseitige Kennenlernen und Überwinden von Stereotypen unter möglichst hoher Partizipation der Teilnehmenden. Im Anschluss an das Projekt sollen die Projektergebnisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit gefördert und findet im Rahmen der Förderlinie „weltwärts – Außerschulische Begegnungsprojekte im Kontext der Agenda 2030“ statt. Es verpflichtet sich dem 16. UN-Nachhaltigkeitsziel „Frieden und Gerechtigkeit“, indem es Empathie, Verständnis und gegenseitigen Respekt durch Austausch und Begegnung fördert.

Teilnahme:

Auf deutscher Seite ist durch einen Umzug einer Teilnehmerin wieder ein Platz freigeworden. Neben Lust auf das Projekt und Bereitschaft, aktiv teilzunehmen (Treffen finden i.d.R. in Osnabrück statt), müssen Teilnehmende zwischen 18 und 30 Jahren alt sein. Interessierte können sich einfach bei Katharina Ramm (k.ramm@welwitschia.org) melden. Weitere Informationen unter: https://welwitschia.org/projekte/wwb/. Fragen können gerne an Katharina Ramm (k.ramm@welwitschia.org) oder Welwitschia e.V. (info@welwitschia.org) gestellt werden.

Weitere Unterstützung

Neben motivierten jungen Menschen, die das Projekt gestalten möchten, sind wir aber auch auf Spenden angewiesen. Konkret geht es derzeit um Mittel für:

* Erstellung und Druck des Buches

* Erstellung und Verbreitung des Filmes

* Aufwandsentschädigung für die namibische Projektleitung

Wir freuen uns über jeden Beitrag, der uns hilft, das Projekt zu realisieren.

Welwitschia e.V.

IBAN: DE04 8309 4495 0003 1956 94

BIC: GENODEF1ETK

Auch über andere Unterstützung, z.B. in Form von Material, Logistik, Know-How, oder vieles mehr freuen wir uns.

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