Rollen für Olympia

Es ist heiß, die Sonne brennt auf die Köpfe. Trotzdem kann es zehn BasketballerInnen plus Trainer nicht vom Training abhalten. Das Feld: 28 mal 15 Meter, an beiden Enden jeweils ein Korb. Nach und nach trudeln alle SpielerInnen ein und beginnen, sich auf das Training vorzubereiten. Die erste Aktion: Warmmachen. Bei 35°C im Schatten. Widerwillig machen sich die ersten auf den Weg um zwei Runden um den Platz zu rollen. Rollen? Ja, rollen. Heute ist Rollstuhlbasketball angesagt.

Seit Mai 2012 gibt es in Windhoek den „Wheel-Ability Sports Club“ bei dem Männer und Frauen gleichermaßen in einer Mannschaft spielen. Willkommen sind auch Nichtbehinderte. Jeden Sonntag treffen sich die SpielerInnen, die alle noch unter 30 sind, um zu trainieren. Eine richtige Liga gibt es noch nicht in Namibia, dennoch einige andere Vereine in anderen Städten. Los geht also das Training. Nach dem Warmmachen werden erst einmal ein paar Körbe geworfen um anschließend an der Taktik zu feilen. Die Zonenverteidigung ist noch nicht ganz in Fleisch un Blut übergegangen.

Rollstuhlbasketball unterscheidet sich im Grunde genommen nicht sehr vom Fußgängerbasketball nur das eben alle im Rollstuhl sitzen. Die Körbe haben dieselbe Höhe, das Feld dieselbe Größe und gedribbelt werden muss ebenfalls. Wer mehr als zwei Mal am Greifring zieht, begeht einen Schubfehler. Der größte Unterschied ist die Klassifizierung mit der jede/r SpielerIn je nach Behinderungsgrad eine bestimmte Punktzahl bekommt um Chancengleichheit zwischen den Mannschaften sicherzustellen.

Nach dem taktischen Training und einer kleinen Trinkpause geht es dann endlich über zum Spiel auf das alle brennen. Alle sind hochmotiviert die gegnerische Mannschaft zu schlagen. Ziel ist die einstudierte Zonenverteidigung nun im Trainingsspiel in die Tat umzusetzen. Hier muss nun der Unerfahrenheit einiger SpielerInnen Tribut gezollt werden weshalb die Realisierung noch einiger Trainingseinheiten bedarf. Nichtsdestotrotz kommen einige schöne Spielzüge zustande und das Spiel ist für den Außenstehenden überraschend schnell und auch körperlich betont. Es wird viel geblockt und auch gerammt was teilweise gegen, meist aber mit den Regeln ist. Nach zweieinhalb Stunden Training gibt sich auch der letzte geschlagen und ist erschöpft.

Auf dem Weg zum Taxi nach dem Training erzählt dann Roodly dass es als Behinderter in Namibia nicht einfach ist. „Vor allem ein Taxi zu bekommen ist sehr schwierig, da viele Fahrer nicht gerne anhalten um den Rollstuhl im Kofferraum zu verstauen. Sie möchten stattdessen schnell weiter.“ Behinderte haben es noch immer oft schwer als vollwertige Mitglieder in der Gesellschaft aufgenommen zu werden. Viele Eltern verstecken ihre Kinder zu Hause aus Angst vor den Blicken der anderen. Das blieb den SpielerInnen des Wheel-Ability SC erspart. Selbstbewusst kämpfen sie für ihre Rechte und Akzeptanz im namibischen Alltag. Auch wenn es nicht einfach ist und sie immer wieder zurück geworfen werden, ist ihre Motivation und Begeisterung ansteckend. Insbesondere der Basketball und der Traum der Teilnahme an den Paralympics 2020 gibt ihnen viel Kraft und vor allem Selbstvertrauen. Der Spaß und die Anstrengung jeden Sonntag entschädigen die SpielerInnen für die negative Erlebnisse.

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