Medizinstudium in Namibia

Praxiseindrücke von Welwitschia-Vorstandsmitglied Maria Seewald

 

Die medizinische Fakultät der University of Namibia (UNAM) steckt noch in denUNAMWappen Kinderschuhen. Im Jahr 2010 begann für 55 Studierende im ersten Jahrgang die medizinische Ausbildung auf dem neu errichteten Medizinercampus, der sich direkt zwischen den beiden staatlichen Lehrkrankenhäusern, dem Katutura State Hospital und dem Windhoek Central Hospital, befindet.
Das Curriculum setzt sich wie folgt zusammen: Das Hauptstudium beträgt 6 Jahre und beinhaltet Blockpraktika und Praxiseinsätze in den Lehrkrankenhäusern. Im Anschluss daran folgt eine zweijährige klinische Internship-Zeit, in welcher die jungen Mediziner die verschiedenen Fachbereiche in der Klinik durchlaufen, und auch Praktika im Norden in den ländlichen Regionen Namibias ableisten. Im Anschluss daran ist man als Medical Officer/Stationsarzt unter der Supervision von Fachärzten tätig, und spezialisiert sich im besten Fall in einer Fachrichtung. Dies ist derzeitig aber nur im Ausland möglich. Wenn keine weitere Spezialisierung erfolgt, ist man später automatisch als Allgemeinmediziner in den Krankenhäusern oder auch in der Niederlassung beschäftigt. Nur kurz im Vergleich, in Deutschland ist das Medizinstudium recht ähnlich organisiert. Das Hauptstudium umfasst fünf Jahre universitär und klinisch, gefolgt vom Praktischen Jahr und erst danach legen die Studierenden den dritten Teil der ärztlichen Prüfung ab. Im Anschluss daran beginnen sie als Assistenzärzte und -ärztinnen, allerdings bereits die Weiterbildung zu einem Facharzt. Die Weiterbildung zum Facharzt der Allgemeinmedizin ist in Deutschland eine mindestens fünfjährige Ausbildung.

Ich studiere derzeit im 8. Fachsemester Medizin an der Universität Magdeburg, und imMaria_Ärztin Rahmen dessen habe ich mich entschieden, in den Semesterferien eine einmonatige Famulatur bei einem Kinderarzt in Windhoek zu absolvieren. Die Famulatur ist ein studienintegriertes Praktikum, welches im klinischen Studienabschnitt in Blöcken (120 Tage insgesamt, 30 Tage fortlaufend) während der vorlesungsfreien Zeit abzuleisten ist. Ein Praktikum in einem Krankenhaus in Namibia zu machen habe ich persönlich als eine Herausforderung angesehen, da in Namibia ganz andere Krankheitsbilder und Infektionskrankheiten den Alltag prägen. Aus diesem Grund habe ich mir diesen Praxiseinsatz an das Ende meiner medizinischen Grundausbildung angesetzt, um bestmöglich darauf vorbereitet zu sein, möglichst hohe Lernerfolge erzielen zu können und gleichzeitig nützlich sein zu können vor Ort. Im Rahmen meines „weltwärts-Jahres“ 2010/2011 mit dem Deutschen Entwicklungsdienst habe ich in Windhoek als Freiwillige gearbeitet und das Land seitdem nicht mehr bereist. Ähnlich wie damals wollte ich meine Namibia-Reise diesmal wieder mit einer Aufgabe und freiwilligen Arbeit verbinden.

Mein betreuender Arzt war Dr. Benjamin, ein namibischer Kinderarzt, der in Südafrika und in den USA studiert hat. Er hat eine Privatpraxis im Rhino Park Private Hospital und ist zudem in allen privaten sowie staatlichen Krankenhäusern in Windhoek tätig. Mein Tagesablauf war jeden Tag unterschiedlich, unberechenbar und immer voller Überraschungen. Das Grundgerüst sah allerdings wie folgt aus: Treffpunkt war meist um 7:00 Uhr in seiner Praxis. Dann folgten Visiten im stationären Bereich des Rhino Park RhinoParkKHPrivate Hospitals. Im Anschluss daran sahen wir Patienten in den anderen Krankenhäusern der Stadt, in den privaten sowie staatlichen Einrichtungen. Die Verteilung der Privatpatienten auf die verschiedenen Einrichtungen ist dem System geschuldet. Zum einen besteht freie Arztwahl und zum anderen ist die Patientenanzahl und -zuteilung der im privaten Sektor tätigen Ärzte von den abgeleisteten Diensten (Bereitschaft, Wochenende, Spezialisierung) abhängig. Somit hatten wir oftmals Patienten in 5 verschiedenen Häusern und zum Teil noch in unterschiedlichen Gebäuden (Neugeborene, Kreissaal bei den geplanten Kaiserschnitten, Neonatologie, IST, Infektionskrankheiten, Gastrologie, allgemeine Kinderstationen), was unsere Effizienz und Arbeitszeiteinteilung täglich aufs Neue herausforderte. An zwei festen Tagen in der Woche leitete Dr. Benjamin zudemKleinerJunge_KatuturaKH noch Lehrvisiten im Katutura State Hospital für die Stationsärzte und Medizinstudierenden der UNAM. Ab dem Nachmittag waren wir täglich bis ca. 18.00 Uhr in seiner privaten Ambulanzpraxis tätig. Das Spektrum dort erstreckte sich von Vorsorgeuntersuchungen bei Neugeborenen und Kleinkindern über verschiedenste akut aufgetretene Krankheitsbilder bis hin zur Behandlung chronischer Erkrankungen in der Kinderheilkunde.

Dr. Benjamin liegt die Lehre an der UNAM sehr am Herzen. Er bemängelte oft die derzeitige Arbeits- und Ausbildungssituation und versuchte, die Studierenden für viele Themen zu sensibilisieren. Dies bezog sich auf Handlungsschemata im klinischen Alltag und Patientenmanagement, aber auch auf den Aspekt der Finanzplanung. Er versuchte, praxisrelevante Einflussgrößen und Hintergrundwissen zum wirtschaftlichen Handeln von Krankenhäusern als Unternehmen, speziell in den staatlichen Einrichtungen, wo Mittel und Budget begrenzt sind, zu vermitteln. Allem voran ist er aber ein passionierter Arzt! Solch eine Hingabe und den absoluten Verzicht auf eine Work-Life-Balance habe ich in der Form noch nie erlebt. Natürlich herrscht eine ganz andere medizinische KrankenzimmerKatuturaKHVersorgungssituation in Namibia als in Deutschland, und er ist einer der wenigen Fachärzte für Pädiatrie im Land, der auch die staatlichen Krankenhäuser betreut. Er kämpft tagtäglich mit maximalem Einsatz für das Patientenwohl unter limitierenden, medizinischen Bedingungen. Ich habe sehr bewundert, wie hart Dr. Benjamin arbeitet und welch einen tollen Umgang er mit den kleinen Patienten, ihren Eltern und dem Personal in den Kliniken pflegt und wie er dabei mit außerordentlicher Fachkompetenz praktiziert. In diesem Sinne war die Zeit für mich als zukünftige Ärztin sehr inspirierend und ich werde diese Erfahrung in ehrenvoller Erinnerung für mein Berufsleben mitnehmen.
Es war weiterhin eine wichtige Erfahrung, so hautnah den Unterschied zwischen staatlichen und privaten Versorgungseinrichtungen zu erleben. Während im staatlichen Sektor oft Fachpersonal fehlt und es zusätzlich an Material und Ressourcen mangelt, so dass Patienten oft nicht sofort optimal versorgt werden können, sind die privaten Krankenhäuser meist sehr gut ausgestattet und die Patientenversorgung entspricht weitestgehend europäischen Standards. Die Krankheitsbilder, innerhalb beider Systeme und in der Gesamtheit natürlich, unterscheiden sich noch einmal grundsätzlich von denen in Deutschland. Infektionskrankheiten wie HIV und Tuberkulose sind in Namibia ein dauerhaftes Problem. Banal erscheinende Durchfallerkrankungen, mangelnde hygienische Standards, Mangelernӓhrung sowie oftmals fehlende Erstversorgung fordern aber vor allem Windhoeks Kinderärzte jeden Tag auf neue heraus.

Maria_UrlaubIch hatte eine arbeitsintensive und eindrucksvolle Zeit in meiner „alten“, doch noch immer gewohnten Umgebung in Windhoek. Für mein Studium konnte ich wertvolle Erfahrungen sammeln, und gleichzeitig die Semesterferien in einem so tollen Land verbringen, an den Wochenenden ein bisschen reisen und für kurze Zeit wieder im namibischen Alltag leben. Ich habe mich sofort wieder heimisch gefühlt, und konnte an viele soziale Kontakte und Freundschaften von früher anknüpfen.

Bericht zum 14. Heidelberger Namibiatag am 13. Mai 2017

In der wunderschönen Kulisse des Heidelberger Spiegelsaals fand am 13. Mai 2017 zum 14. Mal der Heidelberger Namibiatag statt.

Die jährlich stattfindende Konferenz bietet ein umfangreiches Programm zu unterschiedlichen Themen, die Namibia betreffen und behandeln.

Wer sich über Namibia und die Kolonialgeschichte informiert, wird wahrscheinlich früher oder später über den Film “Kaiser Wilhelms Wüstenkrieg” stolpern. Dr. Werner Andreas Wienecke, der lange als Missionar in Namibia tätig war und eine gute, offene Beziehung zu Hereros in Namibia hat, kommentierte diesen in Hinblick auf die aktuelle Diskussion um den Genozid und die Wiedergutmachung. Dabei ging es weniger um eine “richtig” und “falsch”, sondern vielmehr darum, ein breiteres Verständnis zu ermöglichen.

Prof. Dr. Henning Melber sprach über “Namibia nach 27 Jahren Unabhängigkeit – Rückblick und Vorschau” und präsentierte einen Überblick über positive Entwicklungen, aber auch Entwicklungspotenziale und Missstände.

Birgit Möhring setzt sich seit vielen Jahren für den Nashornschutz in Namibia ein. Die Vize-Präsidentin der DNG zeigte in einer anschaulichen und spannenden Präsentation, wie derzeit in Namibia versucht wird, die Wilderei einzudämmen und zu unterbinden. Dabei wird vorrangig mit GPS-Sendern gearbeitet, die ermöglichen, die Nashörner im Blick zu behalten.

Frank Gschwender ist seit vielen Jahren über die GIZ in Namibia tätig und gab Einblick in das derzeit laufende Entbuschungsprojekt. Als Folge von Überweidung auf den überwiegend ariden Böden Namibias hat die Verbuschung in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. Die hohen Kosten der Vegetationsbeseitigung sollen etwa durch Inwertsetzungsmaßnahmen wie der Produktion von Holzhohle und thermischer Energie und der Beheizung von Kraftwerken aufgefangen werden.

Unser persönliches Highlight: Welwitschia war als Redner eingeladen. 5 Jahre Bildungsarbeit konnten wir nun schon präsentieren, einschließlich vieler Veränderungen und und vieler gelungenen Projekte: Der Nam Career Service, die Africa Career App sowie das ASA-Projekt.

Organisator Dr. Horst Eichler verabschiedete sich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Es war einmal mehr ein gelungener Tag mit vielen spannenden Vorträgen, die Einblick in die Arbeit in und rundum Namibia gaben. Nach 14 Jahren geht für ihn aber auch ein wichtiger Teil seiner Arbeit zu Ende, da er die Organisationsleitung abgeben wird.

Wir danken der Deutsch-Namibischen Gesellschaft und besonders Herrn Dr. Eichler für die Einladung und tolle Organisation des Namibiatages.

Namibia auf die Ohren

Bei Namibia denken die meisten an eindrucksvolle Natur. Dabei geht jedoch oft unter, was das Land für eine vielfältige Kulturszene beherbergt. Vor allem die Musik spielt dabei eine sehr große Rolle. Wobei: Eine rein „namibische“ Musik gibt es nicht. Wie auch, bei der Völkervielfalt und den verschiedenen Einflüssen, die auf Namibia wirken. Neben nordamerikanischen und vor allem auch südafrikanischen Stilen spielt auch viel Tradition in den Musikmix hinein. Wir haben euch eine kleine Kostprobe zusammengestellt.

Zwischen Europa und Afrika

Shishani

Shishani ist nicht nur eine Powerfrau sondern auch ein echtes Ausnahmetalent. Mit souliger Stimme präsentiert sie modernen, jazzigen Afro-Folk und spricht in ihren Songs auch politische Themen an. Die Sängerin mit einer namibischen Mutter und einem belgischen Vater ist in Namibia geboren und in den Niederlanden aufgewachsen. Ihre große Karriere begann mit ihrer Rückkehr nach Namibia. 2011 gewann sie den Namibian Annual Music Award (NAMA) und wurde 2013 für die beste Single und das beste Video nominiert. Inzwischen arbeitet und tourt sie sowohl in Namibia als auch in den Niederlanden.

EES

Jeder in Namibia kennt ihn – obwohl er mittlerweile den Großteil seiner Zeit in Deutschland verbringt. EES, eigentlich Eric Sell, ist eine Größe. Er vertritt eine bunte Mischung der Genres Kwaito, Afro-Pop, Reggae und Hip-Hop, die er „NAM Flava Music“ nennt. EES beendete 2003 seine Ausbildung zum Toningenieur im südafrikanischen Kapstadt. Ein Jahr später zog es ihn nach Köln, um seine Karriere voranzutreiben die moderne namibische Musik auch in Deutschland bekannt zu machen. Seine neue Single heißt „On the road again“

Tonetic

Steffen List aka TONETIC macht eigentlich alles, was mit Musik zu tun hat. Dabei sind ihm rockige, alternative Klänge die liebsten. Der Namibianer mit deutschen Großeltern schreibt Songs, nimmt auf, arrangiert, produziert und tritt vor allem auf. Musik hat schon immer sein Leben bestimmt: Mit acht Jahren lernte er Cello und schon mit 16 schrieb er Songs für die Punk-Band Needles. 2013 brachte er im Franco Namibian Cultural Center sein Debutalbum Tones of Red heraus, mit dem er im selben Jahr einen NAMA gewann. Mit seiner Single Undefended ging er 2014 dann in Deutschland auf Tour.

Elektronisch

Gazza

Auch Gazza ist einer der ganz großen im namibischen Musikgeschäft. Bei der Verleihung der NAMAs dreht das Publikum durch, wenn er die Bühne betritt und seine Musik, eine Mischung aus Kwaito, Dancehall, Reggae und Hip Hop, performt. Lazarus Shiimi, so sein bürgerlicher Name, kommt aus einfachsten Verhältnissen. Deshalb finden Themen über das Leben im Township immer auch Eingang in seine Texte. Mittlerweile hat er schon zehn Alben herausgebracht, was ihn zum bestverkauften Künstler im Land macht.

Black Vulcanite

Die vier Jungs aus Windhoek sind in den letzten Jahren groß in der namibischen Musikszene geworden. 2015 gewannen sie den NAMA in der Kategorie „Bestes Video“. Ihre Musik bezeichnen sie als poetischen, afrozentristischen Hiphop und „Afro-Futurism“. Und die Videos von Mark Question, AlithatDude und Okin können sich wirklich sehen lassen: Künstlerisch unterstreichen sie damit Ihre poetischen Texte mit viel Herzblut.

Rockin’ Namibia

Set-Son and the Mighty Dreads

Die Dreads im Namen geben den Hinweis: Set-Son und seine Kollegen Erik Hamutenya, Marius Olloy, Nafidi Wahengo, Gotffery Mananga und Manda Mosez Saize spielen feinsten, namibischen Reggae, beeinflusst von Shambo, einem fröhlichen Musikstil mit viel Tradition. Dabei verbeugen sie sich vor den Klassiker und singen teils in Oshiwambo – nicht ohne auch politische Botschaften zu senden.

Penilane

Sänger und Gitarrist Roy-Lee Kitt, Bassist Mike Ott und Anesh Morar am Schlagzeug bilden gemeinsam die Rockband Namibias. Seit 2004 versucht die Band, ihre eigene Art des Rocks zu prägen und nennt ihren Stil gerne – mit Verlaub „Progressive Sweaty Nuts Rock“. Ihr letztes Album „Ripple Effect“, haben sie in Dublin mit Marc Carolan, der auch schon mit The Cure and Snow Patrol zusammen gearbeitet hat. Normalerweise wohnen und performen sie in Windhoek. Ihre Einflüsse sind vielfältig und erstrecken sich von Muse über Bruce Springsteen und Radiohead bis hin zu Soundgarden und Die Toten Hosen. Ach ja, und auch ihre Videos können sich sehen lassen.

Klassiker 

Tate Buti

Apropos Shambo: Hier ist Tate Buti die Legende in der namibianischen Musikgeschichte. Mehr als jeder andere hat er den Shambo geprägt und beeinflusst viele junge Musiker. Shambo, die bei Oshiwambo-sprechenden vor allem in ländlichen Gebieten beliebte Musik, behandelt meist große Themen wie Krieg und Frieden, Einheit, Liebe und Respekt. Erst 2005 wurde Shambo von der Namibia Society of Composers and Authors of Music (NASCAM) als Genre traditioneller Musik anerkannt.

Jackson Kaujeua

Auch an Jackson Kaujeua kommt keiner vorbei, der sich mit namibischer Musik beschäftigt. Er wird auch als Guru der traditionellen Musik bezeichnet wird und spricht, so heißt es, ganze 15 namibische Sprachen und Dialekte. Seine Lieder handeln von Ahnen und Legenden, aber auch von Freiheitskämpfen. Seine Musik ist traditionell und zeigt deutlich, dass er aus der Gospel-Richtung kommt. 18 Jahre Jahre lang lebte er im Exil und setzte sich mit Lieder wie „Wind of Change“ (, das übrigens nichts mit dem Scorpions-Song zu tun hat) und „!Gnubu!Nubus“ für die Unabhängigkeit Namibias ein. Er erhielt 2011 posthum den NAMA für sein Lebenswerk.

Elemotho

Elemotho singt nicht nur auf Englisch, sondern auch Setswana und anderen Sprachen. Seine Musik ist von Pop beeinflusst, aber mit afrikanischen Klängen und leichtem Jazz-Einschlag. Gemeinsam mit seinem langjährigen Gitarristen und Backgroundsänger Samuel Batola präsentiert das Duo „The new sound of the Kalahari“ – eine Mischung aus traditionell afrikanischen Rhythmen, Afro-Pop und Sounds der Welt. Eines der bekanntesten Lieder von Elemotho heißt „The system is a joke“ – seine Musik spricht eine deutlich politische Sprache. Auch mit seinem neuesten Song „Black Man“ will er Bewusstsein schaffen.

Ines ist Journalistin und Texterin im schönen Bonn am Rhein. In Namibia hat sie eine Zeitlang als Gastredakteurin für die Allgemeine Zeitung gearbeitet. Dabei hat sie Weltwitschia e.V. kennen und das Land lieben gelernt – und würde am liebsten sofort wieder dorthin zurück. https://twitter.com/InesBres

Black Vulcanite (c) thecitynoise.com

Black Vulcanite (c)thecitynoise.com

Welwitschia organisiert Diskussion zum Grundeinkommen

Der Traum vieler Menschen würde wahr werden – Geld verdienen ohne arbeiten und mit diesem Geld sogar über die Runden zu kommen. Das zumindest verspricht das Konzept „Bedingungsloses Grundeinkommen“ (BGE). In der Schweiz wird am 5. Juni darüber abgestimmt, ob es dort eingeführt werden soll, in Finnland diskutiert man darüber, ob Pilotprojekte gestartet werden sollen und auch in Deutschland wachsen die Initiativen, die das BGE befürworten. Einige der wenigen Orte auf der Welt wo das Konzept in der Praxis ausprobiert wurde, ist Otjivero in Namibia. 2008 haben dort für ein Jahr Menschen unterhalb des Rentenalters ein bedingungsloses Grundeinkommen bekommen.

Am Samstag hat Dr. Sabine Klocke-Daffa genau dieses Projekt am Weltethos-Institut in Tübingen in einem Vortrag vorgestellt. Als Wissenschaftlerin an der philosophischen Fakultät der Uni Tübingen hat sie untersucht, ob das BGE positive Effekte in dem namibischen Ort erzielen konnte und ist zu dem Schluss gekommen, dass es den Menschen ökonomisch im Anschluss nicht wesentlich besser ging, die sozialen Kontakte innerhalb des Ortes aber gestärkt wurden. In der anschließenden Podiumsdiskussion haben der grüne Landtagsabgeordnete Thomas Poreski, der Geschäftsführer des Weltethos-Instituts Dr. Bernd Villhauer und den Juniorprofessor Dr. Christian Manger vom Makroökonomie-Lehrstuhl der Uni Tübingen gemeinsam mit Klocke-Daffa über die verschiedenen Konzepte des BGE diskutiert. Während Villhauer Bedenken anmeldete, dass das BGE in Deutschland eher ein Luxusproblem ist welches den Unterschied zu ärmeren Ländern zementieren oder gar vergrößern könnte, ist Poreski sich sicher, dass dadurch in Deutschland Bürokratie abgebaut würde. Einen anderen Ansatz verfolgte Klocke-Daffa. Sie ist für das BGE, jedoch zweifelt sie die Herangehensweise vieler Konzepte an, da diese nur die ökonomischen Aspekte in Betracht ziehen. Manger brachte die wissenschaftliche Seite in die Diskussion ein, wobei er die Mehrheit repräsentierte, die sich nicht sicher ist, ob ein BGE wirklich sinnvoll ist oder nicht.

Insgesamt war es eine sehr lebendige und vor allem gut besuchte Veranstaltung mit der die Diskussion über das Bedingungslose Grundeinkommen auch nach Tübingen gekommen ist. Trotz der verschiedenen Meinungen auf dem Podium waren sich die DiskutantInnen schließlich einig, dass es die eine Lösung nicht gäbe und dass die Diskussion von der rein ideologischen Ebene weg kommen muss. Klocke-Daffa fasst es so zusammen: „Es bringt nichts ewig daran rum zu diskutieren, wir müssen es ausprobieren!“

Welwitschia Tübingen

Bedingungsloses Grundeinkommen Tübingen Bedingungsloses Grundeinkommen Tübingen

Vortrag und Podiumsdiskussion in Tübingen

Unsere Regionalgruppe Tübingen einen Vortrag zum Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) mit anschließender Diskussion. Dr. Sabine Klocke-Daffa ist Ethnologie-Forscherin an der Philosophischen Fakultät der Uni Tübingen und war an einem Pilotprojekt zum BGE in Otjivero selbst beteiligt und wird an diesem Abend in einem Vortrag das Projekt vorstellen. Im Anschluss wird im Rahmen einer Podiumsdiskussion allgemein über das BGE diskutiert. Hierfür konnte Welwitschia den grünen Landtagsabgeordneten Thomas Poreski, den Geschäftsführer des Weltethos-Instituts Dr. Bernd Villhauer und den Juniorprofessor Dr. Christian Manger vom Makroökonomie-Lehrstuhl der Uni Tübingen gewonnen werden. Auch Frau Klocke-Daffa wird hierbei ihre Meinung kundtun.

Vortrag und Podiumsdiskussion finden am Samstag, 28. Mai ab 16.30 Uhr im Weltethos-Institut in der Grabenstraße 26 in Tübingen statt. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Nach Ende der Veranstaltung wird es die Möglichkeit geben in gemütlichem Rahmen die Diskussion und den Austausch fortzusetzen.Bedingungsloses Grundeinkommen Tübingen

Windhoek – eine unterschätzte Stadt

Jedes Jahr reisen mehrere zehntausend deutsche Touristen nach Namibia. Im Jahr 2014 waren es allein 86.000. Deutschland steht somit auf dem 4. Platz hinter Angola, Südafrika und Sambia. Namibia ist bekannt für tolle Landschaften, die Big Five, grandiose Sonnenuntergänge, eine Vielfalt wie sie nur selten auf der Welt anzutreffen ist, den zweitgrößten Canyon der Welt, die höchsten Dünen der Welt und vieles mehr. Namibia hat ohne Frage einiges zu bieten.

Die meisten Touristen kommen morgens am Hosea Kutako Flughafen an und machen sich gleich auf den Weg Richtung Etosha oder in den Süden gen Sossusvlei. Dabei passiert jeder Tourist Windhoek und einhellige Meinung ist: „Schnell weiter, hier gibt es sowieso nichts zu sehen. Maximal ein Tag in Windhoek und dann weiter in interessantere Sphären.“ Leider verpasst der Großteil der deutschen Touristen dadurch viel. Es gibt einiges zu entdecken und erleben in Windhoek. Die Reiseführer sind hier entweder nicht sehr kreativ oder nicht aktuell. Deshalb übernehmen wir das jetzt. Wir planen für euch die ersten Tage in Namibias Hauptstadt. Langeweile? Ausgeschlossen!

Nach der Ankunft im Hostel oder dem Hotel geht es erst einmal in die Innenstadt zur Post Street Mall. Dort gibt es den Meteoritenbrunnen zu sehen der auch in fast allen Reiseführern vorzufinden ist. Da das unser erster Tag ist kümmern wir uns noch nicht um die Souvenirs die dort gekauft werden können sondern gehen über die Independence Avenue in den Zoo Park. Wer noch keinen großen Hunger hat kann zuvor noch in den Wernhil Park gehen und sich dort bei Pick ’n‘ Pay eine Oshikandela, ein Joghurt Drink, kaufen und sich in den Park setzen. Hier wird man mit Sicherheit von ehemaligen DDR-Kindern auf Deutsch angesprochen. Sie sammeln seit Jahren für eine Ausstellung. Dies ist jedoch nur ein Vorwand um Geld von Touristen abzuziehen. Wer großen Hunger verspürt kann stattdessen in das Café Zoo gehen wo auch VegetarierInnen auf ihre Kosten kommen. Das Dessert sollte man jedoch nicht dort genießen. Nicht weil es dort nicht gut ist, sondern weil die Eisdiele Cramer auf der anderen Straßenseite in der FNB-Zentrale besonders empfohlen werden kann.

Nach der Stärkung geht man den Hügel hinauf in Richtung Christuskirche. Sie ist tagsüber geöffnet und kann besichtigt werden. Im Anschluss sollte das Independence Museum besucht werden. Dieses Museum, von vielen auch nur als Kaffeemaschine bezeichnet, wurde von Nordkoreanern gebaut und 2014 eröffnet. Gegenüber des Museums ist die Alte Feste, die zuvor als Nationalmuseum fungierte und in deren Innenhof man nun das Reiterdenkmal anschauen kann, welches zuvor an der Stelle der Statue von Sam Nujoma stand.

Jetzt wird es wieder Zeit für eine kleine Erholung. Hinter dem Independence Museum ist der Parliament’s Garden zu finden mit dem Parlament, dem Tintenpalast, im Hintergrund. Im Park auf der Wiese oder den Bänken kann man sich gut ausruhen und die Seele baumeln lassen. Für politisch Interessierte gibt es die Möglichkeit das Parlament zu besichtigen. Ein Termin sollte jedoch ein Tag zuvor telefonisch vereinbart werden (061 226899)

Der Tag geht nun langsam zu Ende. Zeit für das Abendessen. Die erste Adresse ist natürlich Joe’s Beerhouse. Dort kann man die komplette Palette an Wildfleisch genießen, auch für VegetarierInnen ist vorgesorgt. Wer es etwas edler möchte kann das nice besuchen, ein Restaurant in dem KellnerInnen und KöchInnen ausgebildet werden. Wem das Essen in einem Restaurant nicht zusagt kann einen Sonnenuntergang genießen. Populär ist hierfür die Skybar des Hilton Hotels die offen zugänglich ist. Hier kann man bei bezahlbaren Getränken (Cocktails zwischen N$60 und N$80). den Sonnenuntergang genießen. Wer den Sonnenuntergang alleine verbringen möchte dem können wir diesen Geheimtipp geben: Am Avis Dam gibt es oben auf einem Hügel ein kleines Wasserreservoir von dem aus man einen schönen Blick über den Damm und die Stadt hat. Erreichbar ist das Reservoir entweder direkt über den Damm mit etwas Kletterarbeit. Da es anschließend dunkel sein, wird empfehlen wir jedoch den Weg über Ludwigsdorf.

Der nächste Tag kann mit einem Frühstück im Fresh ’n‘ Wild in Klein Windhoek oder in Eros beginnen. An einem Samstag kann auch der Green Market in der Dr David Kenneth Kaunda Street (ehemals Uhland Street) empfohlen werden. Dort verkaufen FarmerInnen aus der Umgebung von Windhoek ihre Produkte die nach Biostandards produziert werden. Jede Woche bietet zudem eine andere Organisation kulinarisches für das Frühstück an. MuseumsliebhaberInnen können nun gestärkt in das Owela-Museum gehen. Dort werden sehr detailliert die Traditionen der verschiedenen ethnischen Gruppen Namibias dargestellt. Wer sich mehr für Kunst interessiert, dem ist geraten in die National Art Gallery zu gehen, die mit verschiedenen Ausstellungen aufwartet. Beide Museen sind kostenlos, eine Spende wird jedoch erwartet. Für Eisenbahnfreunde gibt es das sehr interessante Museum der TransNamib direkt am Windhoeker Bahnhof. Für N$5 kann man sich die Geschichte der namibischen Eisenbahn anschauen inklusive vieler Relikte früherer Zeit.

Nun wird es wieder Zeit für etwas Entspannung. Im Stadtteil Kleine Kuppe steht die Grove Mall, das größte Einkaufszentrum Windhoeks. Für einige mag sich das nicht nach Entspannung anhören. Es gibt dort jedoch die Slowtown Coffee Roasters, die ihren Kaffee selbst rösten. In derselben Mall gibt es auch My Republik, das erste Modelabel Namibias das in Namibia Kleidung nicht nur entwirft sondern auch produziert. Wem das nicht zusagt, kann durch eine Führung die Brauerei von Namibia Breweries besichtigen. Diese sollte jedoch vorab telefonisch vereinbart werden (061 320 4999).

Zum Abschluss des Tages lohnt sich ein Besuch bei Xwama, ein Restaurant in dem traditionelle namibische Gerichte serviert werden. Wer am Abend schließlich noch unterwegs sein möchte, für den könnte sich das Warehouse lohnen. Es hat sieben Tage die Woche geöffnet, wobei verschiedene Veranstaltungen angeboten werden. Montags ist bei Open Mic für beste Unterhaltung gesorgt. An jedem ersten Mittwoch im Monat findet dort „Spoken Word“ statt, eine stand-up-comedy Veranstaltung.

Am nächsten Tag, kurz vor der Abfahrt, kann noch ein Abstecher beim Craft Centre gemacht werden. Dort gibt es nicht nur Souvenirs zu kaufen sondern auch ein gutes Café. Dort kann auch gleich für die Reiselektüre gesorgt werden. Bei OrumbondeBooks und bei Uncle Spike’s Book Exchange, der ein paar Meter die Straße hinauf zu finden ist, gibt es günstige gebrauchte deutsche, englische und afrikaanse Bücher zu kaufen. Bei beiden lohnt es sich absolut einen Besuch abzustatten.

Dies ist nun ein kleiner unvollständiger Überblick über mögliche Aktivitäten in Windhoek. Die Stadt ist reich an vielen gemütlichen Cafés und Ecken die als Außenstehender jedoch nur schwer zu entdecken sind. Es lohnt sich also in Windhoek mehr als nur ein paar wenige Stunden zu verbringen. Wer nun selbst auf Entdeckungstour geht und Dinge entdeckt, die wir nicht genannt haben ist herzlich willkommen uns weitere Tipps zuzuschicken!

Hier nun eine Liste mit Orten die oben keine Erwähnung gefunden haben:

Franco Namibia Cultural Centre:  Im FNCC gibt es regelmäßig verschiedene Events und Veranstaltungen die auf der Webseite zu finden sind
La Bonne Table
: Gemütliches Café im Zentrum Windhoeks
La BrocanteCafé im Southern Industrial mit selbstgemachten Kuchen und Second Hand Laden
Krumhuk: Ein Projekt circa 20km südlich von Windhoek in dem Gemüse, Brot, Frischkäse Joghurt und vieles mehr nach biologischen Standards produziert und verkauft werden. Ideal für die Verpflegung der ersten Tage.
Penduka: Ein Projekt das durch Armut, Behinderung oder mangels Bildung benachteiligten Frauen die Möglichkeit gibt im Projekt einer Arbeit nachzugehen. BesucherInnen können die dort hergestellten Produkte erwerben.

Auf www.whatsonnamibia.com gibt es tagesaktuell Events in verschiedenen Kategorien zu finden die in die Planung mit einbezogen werden können.

Windhoek Namibia

Rollen für Olympia

Es ist heiß, die Sonne brennt auf die Köpfe. Trotzdem kann es zehn BasketballerInnen plus Trainer nicht vom Training abhalten. Das Feld: 28 mal 15 Meter, an beiden Enden jeweils ein Korb. Nach und nach trudeln alle SpielerInnen ein und beginnen, sich auf das Training vorzubereiten. Die erste Aktion: Warmmachen. Bei 35°C im Schatten. Widerwillig machen sich die ersten auf den Weg um zwei Runden um den Platz zu rollen. Rollen? Ja, rollen. Heute ist Rollstuhlbasketball angesagt.

Seit Mai 2012 gibt es in Windhoek den „Wheel-Ability Sports Club“ bei dem Männer und Frauen gleichermaßen in einer Mannschaft spielen. Willkommen sind auch Nichtbehinderte. Jeden Sonntag treffen sich die SpielerInnen, die alle noch unter 30 sind, um zu trainieren. Eine richtige Liga gibt es noch nicht in Namibia, dennoch einige andere Vereine in anderen Städten. Los geht also das Training. Nach dem Warmmachen werden erst einmal ein paar Körbe geworfen um anschließend an der Taktik zu feilen. Die Zonenverteidigung ist noch nicht ganz in Fleisch un Blut übergegangen.

Rollstuhlbasketball unterscheidet sich im Grunde genommen nicht sehr vom Fußgängerbasketball nur das eben alle im Rollstuhl sitzen. Die Körbe haben dieselbe Höhe, das Feld dieselbe Größe und gedribbelt werden muss ebenfalls. Wer mehr als zwei Mal am Greifring zieht, begeht einen Schubfehler. Der größte Unterschied ist die Klassifizierung mit der jede/r SpielerIn je nach Behinderungsgrad eine bestimmte Punktzahl bekommt um Chancengleichheit zwischen den Mannschaften sicherzustellen.

Nach dem taktischen Training und einer kleinen Trinkpause geht es dann endlich über zum Spiel auf das alle brennen. Alle sind hochmotiviert die gegnerische Mannschaft zu schlagen. Ziel ist die einstudierte Zonenverteidigung nun im Trainingsspiel in die Tat umzusetzen. Hier muss nun der Unerfahrenheit einiger SpielerInnen Tribut gezollt werden weshalb die Realisierung noch einiger Trainingseinheiten bedarf. Nichtsdestotrotz kommen einige schöne Spielzüge zustande und das Spiel ist für den Außenstehenden überraschend schnell und auch körperlich betont. Es wird viel geblockt und auch gerammt was teilweise gegen, meist aber mit den Regeln ist. Nach zweieinhalb Stunden Training gibt sich auch der letzte geschlagen und ist erschöpft.

Auf dem Weg zum Taxi nach dem Training erzählt dann Roodly dass es als Behinderter in Namibia nicht einfach ist. „Vor allem ein Taxi zu bekommen ist sehr schwierig, da viele Fahrer nicht gerne anhalten um den Rollstuhl im Kofferraum zu verstauen. Sie möchten stattdessen schnell weiter.“ Behinderte haben es noch immer oft schwer als vollwertige Mitglieder in der Gesellschaft aufgenommen zu werden. Viele Eltern verstecken ihre Kinder zu Hause aus Angst vor den Blicken der anderen. Das blieb den SpielerInnen des Wheel-Ability SC erspart. Selbstbewusst kämpfen sie für ihre Rechte und Akzeptanz im namibischen Alltag. Auch wenn es nicht einfach ist und sie immer wieder zurück geworfen werden, ist ihre Motivation und Begeisterung ansteckend. Insbesondere der Basketball und der Traum der Teilnahme an den Paralympics 2020 gibt ihnen viel Kraft und vor allem Selbstvertrauen. Der Spaß und die Anstrengung jeden Sonntag entschädigen die SpielerInnen für die negative Erlebnisse.

IMG_20160131_164155