Welwitschia organisiert Diskussion zum Grundeinkommen

Der Traum vieler Menschen würde wahr werden – Geld verdienen ohne arbeiten und mit diesem Geld sogar über die Runden zu kommen. Das zumindest verspricht das Konzept „Bedingungsloses Grundeinkommen“ (BGE). In der Schweiz wird am 5. Juni darüber abgestimmt, ob es dort eingeführt werden soll, in Finnland diskutiert man darüber, ob Pilotprojekte gestartet werden sollen und auch in Deutschland wachsen die Initiativen, die das BGE befürworten. Einige der wenigen Orte auf der Welt wo das Konzept in der Praxis ausprobiert wurde, ist Otjivero in Namibia. 2008 haben dort für ein Jahr Menschen unterhalb des Rentenalters ein bedingungsloses Grundeinkommen bekommen.

Am Samstag hat Dr. Sabine Klocke-Daffa genau dieses Projekt am Weltethos-Institut in Tübingen in einem Vortrag vorgestellt. Als Wissenschaftlerin an der philosophischen Fakultät der Uni Tübingen hat sie untersucht, ob das BGE positive Effekte in dem namibischen Ort erzielen konnte und ist zu dem Schluss gekommen, dass es den Menschen ökonomisch im Anschluss nicht wesentlich besser ging, die sozialen Kontakte innerhalb des Ortes aber gestärkt wurden. In der anschließenden Podiumsdiskussion haben der grüne Landtagsabgeordnete Thomas Poreski, der Geschäftsführer des Weltethos-Instituts Dr. Bernd Villhauer und den Juniorprofessor Dr. Christian Manger vom Makroökonomie-Lehrstuhl der Uni Tübingen gemeinsam mit Klocke-Daffa über die verschiedenen Konzepte des BGE diskutiert. Während Villhauer Bedenken anmeldete, dass das BGE in Deutschland eher ein Luxusproblem ist welches den Unterschied zu ärmeren Ländern zementieren oder gar vergrößern könnte, ist Poreski sich sicher, dass dadurch in Deutschland Bürokratie abgebaut würde. Einen anderen Ansatz verfolgte Klocke-Daffa. Sie ist für das BGE, jedoch zweifelt sie die Herangehensweise vieler Konzepte an, da diese nur die ökonomischen Aspekte in Betracht ziehen. Manger brachte die wissenschaftliche Seite in die Diskussion ein, wobei er die Mehrheit repräsentierte, die sich nicht sicher ist, ob ein BGE wirklich sinnvoll ist oder nicht.

Insgesamt war es eine sehr lebendige und vor allem gut besuchte Veranstaltung mit der die Diskussion über das Bedingungslose Grundeinkommen auch nach Tübingen gekommen ist. Trotz der verschiedenen Meinungen auf dem Podium waren sich die DiskutantInnen schließlich einig, dass es die eine Lösung nicht gäbe und dass die Diskussion von der rein ideologischen Ebene weg kommen muss. Klocke-Daffa fasst es so zusammen: „Es bringt nichts ewig daran rum zu diskutieren, wir müssen es ausprobieren!“

Welwitschia Tübingen

Bedingungsloses Grundeinkommen Tübingen Bedingungsloses Grundeinkommen Tübingen

Vortrag und Podiumsdiskussion in Tübingen

Unsere Regionalgruppe Tübingen einen Vortrag zum Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) mit anschließender Diskussion. Dr. Sabine Klocke-Daffa ist Ethnologie-Forscherin an der Philosophischen Fakultät der Uni Tübingen und war an einem Pilotprojekt zum BGE in Otjivero selbst beteiligt und wird an diesem Abend in einem Vortrag das Projekt vorstellen. Im Anschluss wird im Rahmen einer Podiumsdiskussion allgemein über das BGE diskutiert. Hierfür konnte Welwitschia den grünen Landtagsabgeordneten Thomas Poreski, den Geschäftsführer des Weltethos-Instituts Dr. Bernd Villhauer und den Juniorprofessor Dr. Christian Manger vom Makroökonomie-Lehrstuhl der Uni Tübingen gewonnen werden. Auch Frau Klocke-Daffa wird hierbei ihre Meinung kundtun.

Vortrag und Podiumsdiskussion finden am Samstag, 28. Mai ab 16.30 Uhr im Weltethos-Institut in der Grabenstraße 26 in Tübingen statt. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Nach Ende der Veranstaltung wird es die Möglichkeit geben in gemütlichem Rahmen die Diskussion und den Austausch fortzusetzen.Bedingungsloses Grundeinkommen Tübingen

Windhoek – eine unterschätzte Stadt

Jedes Jahr reisen mehrere zehntausend deutsche Touristen nach Namibia. Im Jahr 2014 waren es allein 86.000. Deutschland steht somit auf dem 4. Platz hinter Angola, Südafrika und Sambia. Namibia ist bekannt für tolle Landschaften, die Big Five, grandiose Sonnenuntergänge, eine Vielfalt wie sie nur selten auf der Welt anzutreffen ist, den zweitgrößten Canyon der Welt, die höchsten Dünen der Welt und vieles mehr. Namibia hat ohne Frage einiges zu bieten.

Die meisten Touristen kommen morgens am Hosea Kutako Flughafen an und machen sich gleich auf den Weg Richtung Etosha oder in den Süden gen Sossusvlei. Dabei passiert jeder Tourist Windhoek und einhellige Meinung ist: „Schnell weiter, hier gibt es sowieso nichts zu sehen. Maximal ein Tag in Windhoek und dann weiter in interessantere Sphären.“ Leider verpasst der Großteil der deutschen Touristen dadurch viel. Es gibt einiges zu entdecken und erleben in Windhoek. Die Reiseführer sind hier entweder nicht sehr kreativ oder nicht aktuell. Deshalb übernehmen wir das jetzt. Wir planen für euch die ersten Tage in Namibias Hauptstadt. Langeweile? Ausgeschlossen!

Nach der Ankunft im Hostel oder dem Hotel geht es erst einmal in die Innenstadt zur Post Street Mall. Dort gibt es den Meteoritenbrunnen zu sehen der auch in fast allen Reiseführern vorzufinden ist. Da das unser erster Tag ist kümmern wir uns noch nicht um die Souvenirs die dort gekauft werden können sondern gehen über die Independence Avenue in den Zoo Park. Wer noch keinen großen Hunger hat kann zuvor noch in den Wernhil Park gehen und sich dort bei Pick ’n‘ Pay eine Oshikandela, ein Joghurt Drink, kaufen und sich in den Park setzen. Hier wird man mit Sicherheit von ehemaligen DDR-Kindern auf Deutsch angesprochen. Sie sammeln seit Jahren für eine Ausstellung. Dies ist jedoch nur ein Vorwand um Geld von Touristen abzuziehen. Wer großen Hunger verspürt kann stattdessen in das Café Zoo gehen wo auch VegetarierInnen auf ihre Kosten kommen. Das Dessert sollte man jedoch nicht dort genießen. Nicht weil es dort nicht gut ist, sondern weil die Eisdiele Cramer auf der anderen Straßenseite in der FNB-Zentrale besonders empfohlen werden kann.

Nach der Stärkung geht man den Hügel hinauf in Richtung Christuskirche. Sie ist tagsüber geöffnet und kann besichtigt werden. Im Anschluss sollte das Independence Museum besucht werden. Dieses Museum, von vielen auch nur als Kaffeemaschine bezeichnet, wurde von Nordkoreanern gebaut und 2014 eröffnet. Gegenüber des Museums ist die Alte Feste, die zuvor als Nationalmuseum fungierte und in deren Innenhof man nun das Reiterdenkmal anschauen kann, welches zuvor an der Stelle der Statue von Sam Nujoma stand.

Jetzt wird es wieder Zeit für eine kleine Erholung. Hinter dem Independence Museum ist der Parliament’s Garden zu finden mit dem Parlament, dem Tintenpalast, im Hintergrund. Im Park auf der Wiese oder den Bänken kann man sich gut ausruhen und die Seele baumeln lassen. Für politisch Interessierte gibt es die Möglichkeit das Parlament zu besichtigen. Ein Termin sollte jedoch ein Tag zuvor telefonisch vereinbart werden (061 226899)

Der Tag geht nun langsam zu Ende. Zeit für das Abendessen. Die erste Adresse ist natürlich Joe’s Beerhouse. Dort kann man die komplette Palette an Wildfleisch genießen, auch für VegetarierInnen ist vorgesorgt. Wer es etwas edler möchte kann das nice besuchen, ein Restaurant in dem KellnerInnen und KöchInnen ausgebildet werden. Wem das Essen in einem Restaurant nicht zusagt kann einen Sonnenuntergang genießen. Populär ist hierfür die Skybar des Hilton Hotels die offen zugänglich ist. Hier kann man bei bezahlbaren Getränken (Cocktails zwischen N$60 und N$80). den Sonnenuntergang genießen. Wer den Sonnenuntergang alleine verbringen möchte dem können wir diesen Geheimtipp geben: Am Avis Dam gibt es oben auf einem Hügel ein kleines Wasserreservoir von dem aus man einen schönen Blick über den Damm und die Stadt hat. Erreichbar ist das Reservoir entweder direkt über den Damm mit etwas Kletterarbeit. Da es anschließend dunkel sein, wird empfehlen wir jedoch den Weg über Ludwigsdorf.

Der nächste Tag kann mit einem Frühstück im Fresh ’n‘ Wild in Klein Windhoek oder in Eros beginnen. An einem Samstag kann auch der Green Market in der Dr David Kenneth Kaunda Street (ehemals Uhland Street) empfohlen werden. Dort verkaufen FarmerInnen aus der Umgebung von Windhoek ihre Produkte die nach Biostandards produziert werden. Jede Woche bietet zudem eine andere Organisation kulinarisches für das Frühstück an. MuseumsliebhaberInnen können nun gestärkt in das Owela-Museum gehen. Dort werden sehr detailliert die Traditionen der verschiedenen ethnischen Gruppen Namibias dargestellt. Wer sich mehr für Kunst interessiert, dem ist geraten in die National Art Gallery zu gehen, die mit verschiedenen Ausstellungen aufwartet. Beide Museen sind kostenlos, eine Spende wird jedoch erwartet. Für Eisenbahnfreunde gibt es das sehr interessante Museum der TransNamib direkt am Windhoeker Bahnhof. Für N$5 kann man sich die Geschichte der namibischen Eisenbahn anschauen inklusive vieler Relikte früherer Zeit.

Nun wird es wieder Zeit für etwas Entspannung. Im Stadtteil Kleine Kuppe steht die Grove Mall, das größte Einkaufszentrum Windhoeks. Für einige mag sich das nicht nach Entspannung anhören. Es gibt dort jedoch die Slowtown Coffee Roasters, die ihren Kaffee selbst rösten. In derselben Mall gibt es auch My Republik, das erste Modelabel Namibias das in Namibia Kleidung nicht nur entwirft sondern auch produziert. Wem das nicht zusagt, kann durch eine Führung die Brauerei von Namibia Breweries besichtigen. Diese sollte jedoch vorab telefonisch vereinbart werden (061 320 4999).

Zum Abschluss des Tages lohnt sich ein Besuch bei Xwama, ein Restaurant in dem traditionelle namibische Gerichte serviert werden. Wer am Abend schließlich noch unterwegs sein möchte, für den könnte sich das Warehouse lohnen. Es hat sieben Tage die Woche geöffnet, wobei verschiedene Veranstaltungen angeboten werden. Montags ist bei Open Mic für beste Unterhaltung gesorgt. An jedem ersten Mittwoch im Monat findet dort „Spoken Word“ statt, eine stand-up-comedy Veranstaltung.

Am nächsten Tag, kurz vor der Abfahrt, kann noch ein Abstecher beim Craft Centre gemacht werden. Dort gibt es nicht nur Souvenirs zu kaufen sondern auch ein gutes Café. Dort kann auch gleich für die Reiselektüre gesorgt werden. Bei OrumbondeBooks und bei Uncle Spike’s Book Exchange, der ein paar Meter die Straße hinauf zu finden ist, gibt es günstige gebrauchte deutsche, englische und afrikaanse Bücher zu kaufen. Bei beiden lohnt es sich absolut einen Besuch abzustatten.

Dies ist nun ein kleiner unvollständiger Überblick über mögliche Aktivitäten in Windhoek. Die Stadt ist reich an vielen gemütlichen Cafés und Ecken die als Außenstehender jedoch nur schwer zu entdecken sind. Es lohnt sich also in Windhoek mehr als nur ein paar wenige Stunden zu verbringen. Wer nun selbst auf Entdeckungstour geht und Dinge entdeckt, die wir nicht genannt haben ist herzlich willkommen uns weitere Tipps zuzuschicken!

Hier nun eine Liste mit Orten die oben keine Erwähnung gefunden haben:

Franco Namibia Cultural Centre:  Im FNCC gibt es regelmäßig verschiedene Events und Veranstaltungen die auf der Webseite zu finden sind
La Bonne Table
: Gemütliches Café im Zentrum Windhoeks
La BrocanteCafé im Southern Industrial mit selbstgemachten Kuchen und Second Hand Laden
Krumhuk: Ein Projekt circa 20km südlich von Windhoek in dem Gemüse, Brot, Frischkäse Joghurt und vieles mehr nach biologischen Standards produziert und verkauft werden. Ideal für die Verpflegung der ersten Tage.
Penduka: Ein Projekt das durch Armut, Behinderung oder mangels Bildung benachteiligten Frauen die Möglichkeit gibt im Projekt einer Arbeit nachzugehen. BesucherInnen können die dort hergestellten Produkte erwerben.

Auf www.whatsonnamibia.com gibt es tagesaktuell Events in verschiedenen Kategorien zu finden die in die Planung mit einbezogen werden können.

Windhoek Namibia

Rollen für Olympia

Es ist heiß, die Sonne brennt auf die Köpfe. Trotzdem kann es zehn BasketballerInnen plus Trainer nicht vom Training abhalten. Das Feld: 28 mal 15 Meter, an beiden Enden jeweils ein Korb. Nach und nach trudeln alle SpielerInnen ein und beginnen, sich auf das Training vorzubereiten. Die erste Aktion: Warmmachen. Bei 35°C im Schatten. Widerwillig machen sich die ersten auf den Weg um zwei Runden um den Platz zu rollen. Rollen? Ja, rollen. Heute ist Rollstuhlbasketball angesagt.

Seit Mai 2012 gibt es in Windhoek den „Wheel-Ability Sports Club“ bei dem Männer und Frauen gleichermaßen in einer Mannschaft spielen. Willkommen sind auch Nichtbehinderte. Jeden Sonntag treffen sich die SpielerInnen, die alle noch unter 30 sind, um zu trainieren. Eine richtige Liga gibt es noch nicht in Namibia, dennoch einige andere Vereine in anderen Städten. Los geht also das Training. Nach dem Warmmachen werden erst einmal ein paar Körbe geworfen um anschließend an der Taktik zu feilen. Die Zonenverteidigung ist noch nicht ganz in Fleisch un Blut übergegangen.

Rollstuhlbasketball unterscheidet sich im Grunde genommen nicht sehr vom Fußgängerbasketball nur das eben alle im Rollstuhl sitzen. Die Körbe haben dieselbe Höhe, das Feld dieselbe Größe und gedribbelt werden muss ebenfalls. Wer mehr als zwei Mal am Greifring zieht, begeht einen Schubfehler. Der größte Unterschied ist die Klassifizierung mit der jede/r SpielerIn je nach Behinderungsgrad eine bestimmte Punktzahl bekommt um Chancengleichheit zwischen den Mannschaften sicherzustellen.

Nach dem taktischen Training und einer kleinen Trinkpause geht es dann endlich über zum Spiel auf das alle brennen. Alle sind hochmotiviert die gegnerische Mannschaft zu schlagen. Ziel ist die einstudierte Zonenverteidigung nun im Trainingsspiel in die Tat umzusetzen. Hier muss nun der Unerfahrenheit einiger SpielerInnen Tribut gezollt werden weshalb die Realisierung noch einiger Trainingseinheiten bedarf. Nichtsdestotrotz kommen einige schöne Spielzüge zustande und das Spiel ist für den Außenstehenden überraschend schnell und auch körperlich betont. Es wird viel geblockt und auch gerammt was teilweise gegen, meist aber mit den Regeln ist. Nach zweieinhalb Stunden Training gibt sich auch der letzte geschlagen und ist erschöpft.

Auf dem Weg zum Taxi nach dem Training erzählt dann Roodly dass es als Behinderter in Namibia nicht einfach ist. „Vor allem ein Taxi zu bekommen ist sehr schwierig, da viele Fahrer nicht gerne anhalten um den Rollstuhl im Kofferraum zu verstauen. Sie möchten stattdessen schnell weiter.“ Behinderte haben es noch immer oft schwer als vollwertige Mitglieder in der Gesellschaft aufgenommen zu werden. Viele Eltern verstecken ihre Kinder zu Hause aus Angst vor den Blicken der anderen. Das blieb den SpielerInnen des Wheel-Ability SC erspart. Selbstbewusst kämpfen sie für ihre Rechte und Akzeptanz im namibischen Alltag. Auch wenn es nicht einfach ist und sie immer wieder zurück geworfen werden, ist ihre Motivation und Begeisterung ansteckend. Insbesondere der Basketball und der Traum der Teilnahme an den Paralympics 2020 gibt ihnen viel Kraft und vor allem Selbstvertrauen. Der Spaß und die Anstrengung jeden Sonntag entschädigen die SpielerInnen für die negative Erlebnisse.

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#FeesMustFall?

Im Bildungssektor in Namibia gab es in den vergangenen Wochen und Monaten viel Bewegung. Für die Grundschule (Klassen 1-7) sind schon im Jahr 2013 die Schulgebühren weggefallen, für die Sekundarstufe (Klassen 8-12) gilt dies seit diesem Jahr. Das ist ein großer Schritt für das namibische Bildungssystem, wenn auch damit die Arbeit nicht abgeschlossen ist. Noch immer mangelt es an ausreichender Infrastruktur für die SchülerInnen und die Resultate des letzten Jahres der Klassen 10 und 12 waren wiederum enttäuschend. Aufgrund der Veränderungen in der Schule warten nun auch die Studierenden an den Universitäten darauf dass sie von den Studiengebühren befreit werden.

Bereits im Oktober schwappte die #FeesMustFall-Bewegung von Südafrika nach Namibia.

Jedoch hatten diese Proteste keine Auswirkungen. Die Politik beharrte auf die Studiengebühren und die Bewegung ebbte ab. Die Studiengebühren an der University of Namibia betragen im Jahr 2016 N$3550 (etwa 200€). Wer zusätzlich noch einen Platz im Hostel der Universität benötigt, auf den kommen weitere Kosten von N$9930 pro Jahr zu. Zusätzlich werden noch ein Registrierungsbeitrag sowie eine Exam Fee erhoben. Wer also an den Examen teilnehmen möchte, muss zuerst dafür finanziell aufkommen. Die Höhe Studiengebühren in Namibia sind entsprechend vergleichbar mit dem Semesterbeitrag in Deutschland. An der Universität Tübingen betrug dieser für das Wintersemester 15/16 etwa 140€. Vergleichbare Beträge, jedoch bei Lohnniveaus wie sie nicht unterschiedlicher sein können. Ist der Ruf nach Befreiung von Studiengebühren als gerechtfertigt?

Die Mehrheit der Studierenden beantwortet diese Frage mit einem klaren „Ja!“. So kam es auch zum #VarsityLockDown Ende Januar an der University of Namibia und der Namibia University of Science and Technology.

Im Zuge dessen blockierten Studierende der beiden Universitäten die Eingänge und forderten die Einstellung der Studiengebühren.

Eine Reaktion der Politik und Universitätsverwaltungen ließ nicht lange auf sich warten. Schnell wurde beschlossen den Registrierungsbeitrag sowie die Exam Fee nicht zu erheben. Zumindest nicht sofort. Nach großer Verwirrung und Fehlinterpretationen die bis dahin gingen dass die Studiengebühren tatsächlich gestrichen würden, war schließlich klar dass der Registrierungsbeitrag und Exam Fee zwar nicht sofort erhoben werden, jedoch bis Mitte des Jahres bezahlt werden müssen.

Es gibt jedoch nicht nur Stimmen die sich gegen die Studiengebühren aussprechen. In unserem Essay-Wettbewerb zum Thema ob kostenlose Bildung sinnvoll für Namibia sei, schreibt eine Einsenderin, dass die Befreiung von Studiengebühren Studierenden falsche Anreize geben könnte da diese so ihr Studium weniger wertschätzten. Sie ist mit ihrer Meinung jedoch in der Minderheit.

Der Tenor aus den Medien und der Politik lautet, dass Studiengebühren weiter bestehen werden da momentan kein Geld im Haushalt bereitgestellt wurde. Es ist jedoch davon auszugehen dass in den kommenden Jahren auch die Gebühren an den Universitäten gestrichen werden. Ob das jedoch die Probleme in der Bildungslandschaft lösen wird ist fraglich. Schon jetzt streben viele SchülerInnen ein Studium an einer Hochschule an und nur wenige entscheiden sich für eine technische oder handwerkliche Ausbildung. Die Konsequenz wäre ein Fachkräftemangel. Was ein Fachkräftemangel bedeutet, bekommen wir hier in Deutschland zu spüren. Es wäre wünschenswert wenn Namibia darauf verzichten könnte.

Von den Schulgebühren befreit: Namibische SchülerInnen

Von den Schulgebühren befreit: Namibische SchülerInnen

Bio zum Frühstück

Der Geruch von Rührei, Kaffee und Brötchen kommt einem schon von weitem entgegen, vor dem Eingang sind Parkplätze gefüllt, welche die ganze Woche über verwaist sind und ein Mix aus Englisch, Deutsch und Afrikaans vermischt sich zu einem Stimmenwirrwarr. Samstag morgens ist Biomarkt an der Kirche im Stadtteil Klein Windhoek. Ich habe mich mit Freunden dort verabredet um frühstücken und einkaufen zu gehen, zur Eröffnung um 8 Uhr haben wir es aber noch nicht geschafft. Ein Biomarkt in Windhoek? Es gibt viele Dinge, die man in Windhoek erwartet, ein Biomarkt ist da jedoch nicht an erster Stelle. Jedoch werde ich schnell eines besseren belehrt. Am Eingang wird der Besucher gleich vom Frühstückscafé begrüßt. Das muss aber erst einmal verschoben werden da alle Tische schon belegt sind weshalb wir uns entscheiden die gewohnte Reihenfolge einzuhalten: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Doch das Einkaufen kann hier nicht als Arbeit bezeichnet werden da es viele interessante Dinge zu entdecken gibt.

BäuerInnen und FarmerInnen aus der Umgebung bieten viele verschiedene Produkte feil. Da ist zum Beispiel Krumhuk, einige Kilometer außerhalb von Windhoek, und laut eigener Aussage „die einzige Farm Namibias die biologisch-dynamisch wirtschaftet.“ Direkt am Eingang stoße ich auf ihren Stand, der auch gleichzeitig der größte des Marktes ist. Auf Krumhuk wird Brot selbst gebacken, Gewürze hergestellt, Milch und Quark produziert und Gemüse angebaut. Zwar nicht mit dem Bio-Siegel zertifiziert aber doch biologisch. Direkt gegenüber verkauft ein Mann an einem kleinen Stand selbstgemachte Marmelade. Über die Treppe an der Außenwand der Kirche werden biologisch hergestellte Kosmetikprodukte verkauft. Auf der oberen Ebene bieten FarmerInnen von Karotten, über Salat bis zu Pastinaken so gut wie alles an. Wer abends keine Lust hat zu kochen, kann sich etwas von dem selbstgemachten Pesto mitnehmen. Selbstverständlich darf auf solch einem Markt auch das Biltong, das bekannte Trockenfleisch, nicht fehlen. Damit sich auch die Kleinsten schon an den Geschmack gewöhnen können, gibt es auch Baby-Biltong. Das Trockenfleisch ohne Gewürze. Nachdem die Einkaufstaschen (natürlich nur Jutebeutel oder Papiertüten) voll sind, gehen wir wieder die Treppe runter um einen Tisch für das Frühstück zu ergattern.

Nach dem ausgiebigen Einkauf kann nun das wahre Vergnügen folgen: Das Frühstück. Jeden Samstag bereitet eine andere Organisation oder Institution das Frühstück zu. Dieses Mal: Die Walddorfschule Windhoek. Neben selbst geschmierten Brötchen mit Käse, Salami, Rührei oder Rohhack gibt es die verschiedensten Kuchen und auch Quiche. Und das ganze zu sehr freundlichen Preisen. Die Tasse Kaffee gibt es für N$6,00, umgerechnet etwa 0,40€. Bei insgesamt hohen Lebensmittelpreisen in Namibia ist das dann überraschend günstig. Der Gewinn aus dem Verkauf geht dann an die Walddorfschule, die sich damit neue Projekte finanzieren kann. Gefühlt kennt hier jeder jeden was dem ganzen eine sehr familiäre Atmosphäre gibt.

Ein Besuch auf dem Biomarkt ist sehr zu empfehlen, da er aufgrund der wachsendenden Windhoeker Mittelschicht sich zunehmender Beliebtheit erfreut trotz der Preise, die auf deutschem Bio-Niveau liegen. Menschen, die nur das Durchschnittseinkommen Namibias, etwa N$6,600, verdienen können sich einen Besuch dort jedoch kaum leisten. Zumal aufgrund großen Einkommensungleichheit nur wenige tatsächlich so viel verdienen.

Green Market Windhoek

© Tracey Pictor

 

Neuer Vorstand 2016

Für das laufende Jahr wurde von unseren Mitgliedern wieder ein neuer Vorstand gewählt. Dabei gab es zwei Änderungen: Johannes Vogelsang, Schriftführer, und Philipp Walter, stellvertretender Vorsitzender, scheiden dieses Jahr aus dem Vorstand aus um Platz für neue Gesichter zu machen. Wir bedanken uns sehr für ihre tolle Arbeit und freuen uns darüber dass sie weiterhin als aktive Mitglieder Welwitschia treu bleiben! Lena Stöcker, von nun an neue Schriftführerin, und Moritz Wargalla, neuer stellvertretender Vorsitzender, sind von für 2016 die neu gewählten Vorstandsmitglieder. Die fünf Vorstandsmitglieder stellen sich hier nun vor.

Carsten Rietmann – Vorsitzender

CarstenIch bin 24 Jahre alt, habe meinen Freiwilligendienst in Windhoek absolviert und vor kurzem meine Promotion in Wirtschaftsgeographie in Los Angeles begonnen.

Sowohl die deutsche als auch die namibische Welwitschia-Organisation als auch die Kooperation durch den NamCareerService hat sich im vergangenen Jahr toll entwickelt. Auch wenn wir immer wieder auf Herausforderungen stoßen, zeigt sich gerade auch darin, wie sinnvoll das Konzept von Welwitschia ist. Als Vorsitzender konnte ich die Gründung miterleben, an der Entwicklung teilnehmen und gemeinsam mit den anderen deutschen und namibischen Mitgliedern als auch vielen Freiwilligen viele Projekte anstoßen. Da wir noch viele weitere Ideen sowohl in Namibia als auch in Deutschland haben und ich bei meinem Besuch im Sommer vor Ort die Notwendigkeit unser Initiative gesehen habe, freue ich mich auf ein weiteres Jahr als Vorsitzender.

Moritz Wargalla – Stellvertretender Vorsitzender

MoritzMein Name ist Moritz Wargalla und ich bin 25 Jahre alt. Derzeit befind ich mich in der Endphase meines Jurastudiums in Berlin, das ich im April abgeschlossen haben werde. 2010/2011 war ich als weltwärts-Freiwilliger in Windhoek, Namibia.

Schon zu meiner Zeit in Namibia war ich aktiv an den Planungen zur Gründung des Vereins beteiligt. Während der letzten Jahre habe ich mich bei der Stipendienauswahl und bei der Anerkennung des Vereins als gemeinnützig engagiert. Gerne möchte ich mich jetzt aktiver in die Vereinsarbeit einbringen und mich im Vorstand schwerpunktmäßig darum kümmern, dass unser Verein als gemeinnützig anerkannt wird.

Julia Legge – Zweite Stellvertretende Vorsitzende

JuliaIch bin 24 Jahre alt und arbeite als Referentin für Bildungs- und Inlandsarbeit bei Ingenieure ohne Grenzen in Berlin.

Ich konnte die Entwicklung von Welwitschia von Anfang an, seit meinem weltwärts-Jahr 2010/11 begleiten. Wir haben als Verein in den letzten Jahren viel erreicht. Als ehrenamtliche Organisation gibt es dennoch immer wieder Hürden, die wir aus dem Weg räumen müssen. Welwitschia als junger, idealistischer Verein hat großes Potential weiter zu wachsen und eine professionell arbeitende Organisation in der internationalen Zusammenarbeit zu werden. Hierzu möchte ich auch im kommenden Jahr meinen Beitrag als Teil des Vorstands leisten.

Kolja Lichtenthäler – Finanzvorstand

KoljaIch bin 24 Jahre alt und studiere in Aachen Maschinenbau im zweiten Mastersemester.

Im vergangenen Jahr habe ich mich als Finanzvorstand um die monetären Belange von Welwitschia gekümmert. Da mir diese Aufgabe gut gefällt und ein ich sehr spannendes Jahr im Welwitschia-Vorstand hinter mir habe, freue ich mich darauf 2016 ein weiteres Mal als Finanzvorstand zu fungieren.

Lena Stöcker – Schriftführerin

LenaIch bin 22 Jahre alt, studiere Soziologie und Politik an der Universität Tübingen und bin neue Schriftführerin im Vorstand.

Mit Welwitschia bin ich seit einem Seminar an der Uni Tübingen im Wintersemester 14/15 verbunden und konnte mich gleich mit der Idee von Welwitschia identifizieren. Seit April 2015 bin ich zudem in der Regionalgruppe aktiv und übernehme hierbei eine tragende Rolle. Ich habe für ein Vorstandsamt kandidiert, da ich noch neu im Team bin und dadurch neue Impulse einbringen kann. Zudem ist meine Mitarbeit im Vorstand eine gute Möglichkeit eine aktive Verbindung zwischen der Regionalgruppe Tübingen und Vorstand zu schaffen.