Namibia auf die Ohren

Bei Namibia denken die meisten an eindrucksvolle Natur. Dabei geht jedoch oft unter, was das Land für eine vielfältige Kulturszene beherbergt. Vor allem die Musik spielt dabei eine sehr große Rolle. Wobei: Eine rein „namibische“ Musik gibt es nicht. Wie auch, bei der Völkervielfalt und den verschiedenen Einflüssen, die auf Namibia wirken. Neben nordamerikanischen und vor allem auch südafrikanischen Stilen spielt auch viel Tradition in den Musikmix hinein. Wir haben euch eine kleine Kostprobe zusammengestellt.

Zwischen Europa und Afrika

Shishani

Shishani ist nicht nur eine Powerfrau sondern auch ein echtes Ausnahmetalent. Mit souliger Stimme präsentiert sie modernen, jazzigen Afro-Folk und spricht in ihren Songs auch politische Themen an. Die Sängerin mit einer namibischen Mutter und einem belgischen Vater ist in Namibia geboren und in den Niederlanden aufgewachsen. Ihre große Karriere begann mit ihrer Rückkehr nach Namibia. 2011 gewann sie den Namibian Annual Music Award (NAMA) und wurde 2013 für die beste Single und das beste Video nominiert. Inzwischen arbeitet und tourt sie sowohl in Namibia als auch in den Niederlanden.

EES

Jeder in Namibia kennt ihn – obwohl er mittlerweile den Großteil seiner Zeit in Deutschland verbringt. EES, eigentlich Eric Sell, ist eine Größe. Er vertritt eine bunte Mischung der Genres Kwaito, Afro-Pop, Reggae und Hip-Hop, die er „NAM Flava Music“ nennt. EES beendete 2003 seine Ausbildung zum Toningenieur im südafrikanischen Kapstadt. Ein Jahr später zog es ihn nach Köln, um seine Karriere voranzutreiben die moderne namibische Musik auch in Deutschland bekannt zu machen. Seine neue Single heißt „On the road again“

Tonetic

Steffen List aka TONETIC macht eigentlich alles, was mit Musik zu tun hat. Dabei sind ihm rockige, alternative Klänge die liebsten. Der Namibianer mit deutschen Großeltern schreibt Songs, nimmt auf, arrangiert, produziert und tritt vor allem auf. Musik hat schon immer sein Leben bestimmt: Mit acht Jahren lernte er Cello und schon mit 16 schrieb er Songs für die Punk-Band Needles. 2013 brachte er im Franco Namibian Cultural Center sein Debutalbum Tones of Red heraus, mit dem er im selben Jahr einen NAMA gewann. Mit seiner Single Undefended ging er 2014 dann in Deutschland auf Tour.

Elektronisch

Gazza

Auch Gazza ist einer der ganz großen im namibischen Musikgeschäft. Bei der Verleihung der NAMAs dreht das Publikum durch, wenn er die Bühne betritt und seine Musik, eine Mischung aus Kwaito, Dancehall, Reggae und Hip Hop, performt. Lazarus Shiimi, so sein bürgerlicher Name, kommt aus einfachsten Verhältnissen. Deshalb finden Themen über das Leben im Township immer auch Eingang in seine Texte. Mittlerweile hat er schon zehn Alben herausgebracht, was ihn zum bestverkauften Künstler im Land macht.

Black Vulcanite

Die vier Jungs aus Windhoek sind in den letzten Jahren groß in der namibischen Musikszene geworden. 2015 gewannen sie den NAMA in der Kategorie „Bestes Video“. Ihre Musik bezeichnen sie als poetischen, afrozentristischen Hiphop und „Afro-Futurism“. Und die Videos von Mark Question, AlithatDude und Okin können sich wirklich sehen lassen: Künstlerisch unterstreichen sie damit Ihre poetischen Texte mit viel Herzblut.

Rockin’ Namibia

Set-Son and the Mighty Dreads

Die Dreads im Namen geben den Hinweis: Set-Son und seine Kollegen Erik Hamutenya, Marius Olloy, Nafidi Wahengo, Gotffery Mananga und Manda Mosez Saize spielen feinsten, namibischen Reggae, beeinflusst von Shambo, einem fröhlichen Musikstil mit viel Tradition. Dabei verbeugen sie sich vor den Klassiker und singen teils in Oshiwambo – nicht ohne auch politische Botschaften zu senden.

Penilane

Sänger und Gitarrist Roy-Lee Kitt, Bassist Mike Ott und Anesh Morar am Schlagzeug bilden gemeinsam die Rockband Namibias. Seit 2004 versucht die Band, ihre eigene Art des Rocks zu prägen und nennt ihren Stil gerne – mit Verlaub „Progressive Sweaty Nuts Rock“. Ihr letztes Album „Ripple Effect“, haben sie in Dublin mit Marc Carolan, der auch schon mit The Cure and Snow Patrol zusammen gearbeitet hat. Normalerweise wohnen und performen sie in Windhoek. Ihre Einflüsse sind vielfältig und erstrecken sich von Muse über Bruce Springsteen und Radiohead bis hin zu Soundgarden und Die Toten Hosen. Ach ja, und auch ihre Videos können sich sehen lassen.

Klassiker 

Tate Buti

Apropos Shambo: Hier ist Tate Buti die Legende in der namibianischen Musikgeschichte. Mehr als jeder andere hat er den Shambo geprägt und beeinflusst viele junge Musiker. Shambo, die bei Oshiwambo-sprechenden vor allem in ländlichen Gebieten beliebte Musik, behandelt meist große Themen wie Krieg und Frieden, Einheit, Liebe und Respekt. Erst 2005 wurde Shambo von der Namibia Society of Composers and Authors of Music (NASCAM) als Genre traditioneller Musik anerkannt.

Jackson Kaujeua

Auch an Jackson Kaujeua kommt keiner vorbei, der sich mit namibischer Musik beschäftigt. Er wird auch als Guru der traditionellen Musik bezeichnet wird und spricht, so heißt es, ganze 15 namibische Sprachen und Dialekte. Seine Lieder handeln von Ahnen und Legenden, aber auch von Freiheitskämpfen. Seine Musik ist traditionell und zeigt deutlich, dass er aus der Gospel-Richtung kommt. 18 Jahre Jahre lang lebte er im Exil und setzte sich mit Lieder wie „Wind of Change“ (, das übrigens nichts mit dem Scorpions-Song zu tun hat) und „!Gnubu!Nubus“ für die Unabhängigkeit Namibias ein. Er erhielt 2011 posthum den NAMA für sein Lebenswerk.

Elemotho

Elemotho singt nicht nur auf Englisch, sondern auch Setswana und anderen Sprachen. Seine Musik ist von Pop beeinflusst, aber mit afrikanischen Klängen und leichtem Jazz-Einschlag. Gemeinsam mit seinem langjährigen Gitarristen und Backgroundsänger Samuel Batola präsentiert das Duo „The new sound of the Kalahari“ – eine Mischung aus traditionell afrikanischen Rhythmen, Afro-Pop und Sounds der Welt. Eines der bekanntesten Lieder von Elemotho heißt „The system is a joke“ – seine Musik spricht eine deutlich politische Sprache. Auch mit seinem neuesten Song „Black Man“ will er Bewusstsein schaffen.

Ines ist Journalistin und Texterin im schönen Bonn am Rhein. In Namibia hat sie eine Zeitlang als Gastredakteurin für die Allgemeine Zeitung gearbeitet. Dabei hat sie Weltwitschia e.V. kennen und das Land lieben gelernt – und würde am liebsten sofort wieder dorthin zurück. https://twitter.com/InesBres

Black Vulcanite (c) thecitynoise.com

Black Vulcanite (c)thecitynoise.com

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