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Namibia auf die Ohren

Bei Namibia denken die meisten an eindrucksvolle Natur. Dabei geht jedoch oft unter, was das Land für eine vielfältige Kulturszene beherbergt. Vor allem die Musik spielt dabei eine sehr große Rolle. Wobei: Eine rein „namibische“ Musik gibt es nicht. Wie auch, bei der Völkervielfalt und den verschiedenen Einflüssen, die auf Namibia wirken. Neben nordamerikanischen und vor allem auch südafrikanischen Stilen spielt auch viel Tradition in den Musikmix hinein. Wir haben euch eine kleine Kostprobe zusammengestellt.

Zwischen Europa und Afrika

Shishani

Shishani ist nicht nur eine Powerfrau sondern auch ein echtes Ausnahmetalent. Mit souliger Stimme präsentiert sie modernen, jazzigen Afro-Folk und spricht in ihren Songs auch politische Themen an. Die Sängerin mit einer namibischen Mutter und einem belgischen Vater ist in Namibia geboren und in den Niederlanden aufgewachsen. Ihre große Karriere begann mit ihrer Rückkehr nach Namibia. 2011 gewann sie den Namibian Annual Music Award (NAMA) und wurde 2013 für die beste Single und das beste Video nominiert. Inzwischen arbeitet und tourt sie sowohl in Namibia als auch in den Niederlanden.

EES

Jeder in Namibia kennt ihn – obwohl er mittlerweile den Großteil seiner Zeit in Deutschland verbringt. EES, eigentlich Eric Sell, ist eine Größe. Er vertritt eine bunte Mischung der Genres Kwaito, Afro-Pop, Reggae und Hip-Hop, die er „NAM Flava Music“ nennt. EES beendete 2003 seine Ausbildung zum Toningenieur im südafrikanischen Kapstadt. Ein Jahr später zog es ihn nach Köln, um seine Karriere voranzutreiben die moderne namibische Musik auch in Deutschland bekannt zu machen. Seine neue Single heißt „On the road again“

Tonetic

Steffen List aka TONETIC macht eigentlich alles, was mit Musik zu tun hat. Dabei sind ihm rockige, alternative Klänge die liebsten. Der Namibianer mit deutschen Großeltern schreibt Songs, nimmt auf, arrangiert, produziert und tritt vor allem auf. Musik hat schon immer sein Leben bestimmt: Mit acht Jahren lernte er Cello und schon mit 16 schrieb er Songs für die Punk-Band Needles. 2013 brachte er im Franco Namibian Cultural Center sein Debutalbum Tones of Red heraus, mit dem er im selben Jahr einen NAMA gewann. Mit seiner Single Undefended ging er 2014 dann in Deutschland auf Tour.

Elektronisch

Gazza

Auch Gazza ist einer der ganz großen im namibischen Musikgeschäft. Bei der Verleihung der NAMAs dreht das Publikum durch, wenn er die Bühne betritt und seine Musik, eine Mischung aus Kwaito, Dancehall, Reggae und Hip Hop, performt. Lazarus Shiimi, so sein bürgerlicher Name, kommt aus einfachsten Verhältnissen. Deshalb finden Themen über das Leben im Township immer auch Eingang in seine Texte. Mittlerweile hat er schon zehn Alben herausgebracht, was ihn zum bestverkauften Künstler im Land macht.

Black Vulcanite

Die vier Jungs aus Windhoek sind in den letzten Jahren groß in der namibischen Musikszene geworden. 2015 gewannen sie den NAMA in der Kategorie „Bestes Video“. Ihre Musik bezeichnen sie als poetischen, afrozentristischen Hiphop und „Afro-Futurism“. Und die Videos von Mark Question, AlithatDude und Okin können sich wirklich sehen lassen: Künstlerisch unterstreichen sie damit Ihre poetischen Texte mit viel Herzblut.

Rockin’ Namibia

Set-Son and the Mighty Dreads

Die Dreads im Namen geben den Hinweis: Set-Son und seine Kollegen Erik Hamutenya, Marius Olloy, Nafidi Wahengo, Gotffery Mananga und Manda Mosez Saize spielen feinsten, namibischen Reggae, beeinflusst von Shambo, einem fröhlichen Musikstil mit viel Tradition. Dabei verbeugen sie sich vor den Klassiker und singen teils in Oshiwambo – nicht ohne auch politische Botschaften zu senden.

Penilane

Sänger und Gitarrist Roy-Lee Kitt, Bassist Mike Ott und Anesh Morar am Schlagzeug bilden gemeinsam die Rockband Namibias. Seit 2004 versucht die Band, ihre eigene Art des Rocks zu prägen und nennt ihren Stil gerne – mit Verlaub „Progressive Sweaty Nuts Rock“. Ihr letztes Album „Ripple Effect“, haben sie in Dublin mit Marc Carolan, der auch schon mit The Cure and Snow Patrol zusammen gearbeitet hat. Normalerweise wohnen und performen sie in Windhoek. Ihre Einflüsse sind vielfältig und erstrecken sich von Muse über Bruce Springsteen und Radiohead bis hin zu Soundgarden und Die Toten Hosen. Ach ja, und auch ihre Videos können sich sehen lassen.

Klassiker 

Tate Buti

Apropos Shambo: Hier ist Tate Buti die Legende in der namibianischen Musikgeschichte. Mehr als jeder andere hat er den Shambo geprägt und beeinflusst viele junge Musiker. Shambo, die bei Oshiwambo-sprechenden vor allem in ländlichen Gebieten beliebte Musik, behandelt meist große Themen wie Krieg und Frieden, Einheit, Liebe und Respekt. Erst 2005 wurde Shambo von der Namibia Society of Composers and Authors of Music (NASCAM) als Genre traditioneller Musik anerkannt.

Jackson Kaujeua

Auch an Jackson Kaujeua kommt keiner vorbei, der sich mit namibischer Musik beschäftigt. Er wird auch als Guru der traditionellen Musik bezeichnet wird und spricht, so heißt es, ganze 15 namibische Sprachen und Dialekte. Seine Lieder handeln von Ahnen und Legenden, aber auch von Freiheitskämpfen. Seine Musik ist traditionell und zeigt deutlich, dass er aus der Gospel-Richtung kommt. 18 Jahre Jahre lang lebte er im Exil und setzte sich mit Lieder wie „Wind of Change“ (, das übrigens nichts mit dem Scorpions-Song zu tun hat) und „!Gnubu!Nubus“ für die Unabhängigkeit Namibias ein. Er erhielt 2011 posthum den NAMA für sein Lebenswerk.

Elemotho

Elemotho singt nicht nur auf Englisch, sondern auch Setswana und anderen Sprachen. Seine Musik ist von Pop beeinflusst, aber mit afrikanischen Klängen und leichtem Jazz-Einschlag. Gemeinsam mit seinem langjährigen Gitarristen und Backgroundsänger Samuel Batola präsentiert das Duo „The new sound of the Kalahari“ – eine Mischung aus traditionell afrikanischen Rhythmen, Afro-Pop und Sounds der Welt. Eines der bekanntesten Lieder von Elemotho heißt „The system is a joke“ – seine Musik spricht eine deutlich politische Sprache. Auch mit seinem neuesten Song „Black Man“ will er Bewusstsein schaffen.

Ines ist Journalistin und Texterin im schönen Bonn am Rhein. In Namibia hat sie eine Zeitlang als Gastredakteurin für die Allgemeine Zeitung gearbeitet. Dabei hat sie Weltwitschia e.V. kennen und das Land lieben gelernt – und würde am liebsten sofort wieder dorthin zurück. https://twitter.com/InesBres

Black Vulcanite (c) thecitynoise.com

Black Vulcanite (c)thecitynoise.com

Namibia lesen

„Read more books!“ ist ein Ratschlag, über den wir oft stolpern. Und gerade, wenn es auf der Nordhalbkugel wieder kalt und dunkel wird, kann man sich mit guter Literatur in andere Länder lesen. Reiseführer und -berichte über das Land des Kameldorns gibt es wie Sand in der Namib. Aber auch spannende Biografien, Krimis und Romane aus und über Namibia haben ihren Wert. Welche lohnen sich wirklich? Welche gehören zum Kulturgut? Und welche sind verborgene Schätze, die bisher noch keine Aufmerksamkeit erfahren haben? Wir haben eine kleine Auswahl für euch zusammengestellt.*

Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste – Henno Martin

Der Namibia-Klassiker – und unter Deutschsprachigen die Pflichtlektüre schlechthin. Und das zu recht: Henno Martin und Hermann Korn, zwei deutsche Geologen, haben gerade ihren Doktortitel in der Tasche und reisen ins damalige Südwestafrika, um Wasservorkommen zu erforschen. Nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges machen sie ihrer Ansage ernst und leben zweieinhalb Jahre lang abgeschieden in der Wüste.

Das Ergebnis – dieses Buch – ist ein faszinierender Überlebensbericht und zugleich die philosophische Erklärung zweier Männer, die viel Zeit in der Wildnis verbracht haben. Und viel Zeit mit Nachdenken. „Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste“ ist eine fesselnde Geschichte, die Lust auf Natur macht. Sie bringt uns nicht nur viel über Flora und Fauna Namibias bei, sondern lehrt noch etwas viel wichtigeres: die Ehrfurcht vor dem Leben.

Der lange Schatten – Bernhard Jaumann

Das dritte Buch aus Bernhard Jaumanns Namibia-Reihe ist erst im letzten März erschienen. Schon zwei Monate später flog der 58-jährige Autor nach Windhoek, um dort im Goethe-Zentrum aus seinem neuesten Krimi vorzulesen: In Freiburg wird das Grab eines bekannten „Rassenforschers“ geschändet, in Windhoek wird die Frau des deutschen Botschafters entführt – gemeinsam mit dem Kind, das sie adoptieren will.

Während die Protagonistin Clemencia Garises nach den Entführten sucht, ist der Journalist Claus Tiedtke in Berlin möglichen Attentätern auf der Spur. „Der lange Schatten“ ist das spannende Buch eines Namibia-Kenners, der nicht bloß gute Unterhaltung bietet. Er liefert auch viele Hintergrundinformationen: von deutschen Kolonialverbrechen bis hin zur Diskussion um das Adoptieren afrikanischer Waisenkinder.

Kind Nr. 95 – Lucia Engombe

Wenige der so genannten DDR-Kinder reden gerne über die Vergangenheit. Verständlich, denn schließlich wurden sie in den vergangenen Jahrzehnten immer und immer wieder darauf angesprochen. Ihre Geschichte ist einfach zu spannend, als dass Menschen, die zum ersten Mal davon hören, sich das Fragen verkneifen. Gut, dass Lucia Engombe ihre Erlebnisse in einem Buch festgehalten hat.

1979, während des Befreiungskampfes, wird die 7-jährige Lucia überraschend aus dem sambischen Flüchtlingslager in die DDR gebracht. Gemeinsam mit insgesamt 430 anderen namibischen Kindern soll sie im sozialistischen Staat zur neuen Elite ihres Landes herangezogen werden. Doch dann kommt 1990: Die Deutsche Wiedervereinigung und die Namibische Unabhängigkeit. Die Kinder werden über Nacht in eine Heimat zurückgeflogen, die ihnen mittlerweile vollkommen fremd ist. In klarer, authentischer Sprache beschreibt Lucia ihr Leben zwischen Namibia und Deutschland – und gewährt dem Leser damit einen Einblick in ihre außergewöhnliche Biographie.

Der weiße Ovambo – Nils Ole Oermann

Ein ganz anderes, aber nicht weniger spannendes Leben führte hat der evangelische Theologe Peter Pauly: 1917 in Breslau, im heutigen Polen, geboren, verlässt er 20 Jahre später Deutschland – ohne Abitur, das ihm als „Halbjuden“ verweigert wurde. Er wandert aus und arbeitet auf einer Kaffeeplantage in Britisch-Ostafrika. Dann bricht der Krieg aus und Pauly wird interniert.

1947 kehrt er nach Deutschland zurück und arbeitete unter anderem als Dolmetscher beim Verfassungskonvent. 1950 zieht es Pauly aber wieder nach Afrika. Im heutigen Namibia und leitet er eine Farm. Er ist kein junger Mann mehr, als sein Leben dann noch einmal einen ganz anderen Weg einschlägt:
Zum einen studierte er evangelische Theologie und wird Pfarrer. Zum anderen heiratet er nach seiner ersten Ehe eine Ovambofrau und beginnt, für die Abschaffung der Apartheid in Namibia zu kämpfen.

Namibia – Carmen Rohrbach

Abenteuerliche Begegnungen mit Menschen, Landschaften und Tieren“ heißt der Untertitel des Buches. Und wirklich: Der Bericht der deutschen Biologin Carmen Rohrbach ist ein Abenteuer. Allein und ganz unbefangen fährt sie durch die Landschaften, beobachtet und lässt das Land auf sich einwirken. Neben den spannenden Geschichten, die sie auf ihren Reisen erlebt flechtet sie auch ihre sensiblen und unvoreingenommenen Gedanken zu Tier- und Menschenwelt ein.

Zusätzlich gibt sie Einblicke in die Historie des Landes und teilt als Biologin auch ihre Kenntnisse über Tier- und Pflanzenwelt mit dem Leser. Beim Lesen von Rohrbachs „Namibia“ hat man das Gefühl, selbst mit ihr auf Achse zu sein. Deshalb ist Vorsicht geboten: Wen das Fernweh ohnehin schon sehr quält, sollte sich das Buch vielleicht lieber noch aufheben. Denn spätestens nach Kapitel 3 will er einfach nur noch hinaus in die Wildnis.

Richtungswechsel – Philipp Walter

Wiederum eine andere Perspektive bietet Philipp Walters „Richtungswechsel“. Ein junger Deutscher geht nach dem Abitur nach Namibia, um sich sozial zu engagieren. Aus Okakarara, einem kleinen Ort im Norden des Landes, schreibt er einen Blog. Aus diesen Berichten ist ein Buch entstanden, das ein Namibia abseits von Wüste und Armut, aber auch abseits der typischen Touristenrouten beschreibt: Die Alltagsrealität in einem besonderen Land, wertvolle Erfahrungen und unvergessliche Begegnungen. Wir entdecken eine andere Seite Namibias und bekommen zugleich einen Einblick in das Leben eines weltwärts-Freiwilligen.
Egal, ob man noch von einer Reise träumt oder das Land schon erlebt hat – dieses Buch schenkt einen Perspektivenwechsel. Wer das Buch nicht bei Amazon bestellen möchte, kann dies auch direkt beim Autor machen.

Hummeldumm – Tommy Jaud

Eines der bekanntesten Bücher die in Namibia handeln ist Hummeldumm. Der Autor Tommy Jaud reist mit seiner Freundin ohne Hintergedanken nach Namibia. Die dort auf sie wartende Reisegruppe wird dafür sorgen dass die kommenden zwei Wochen nicht langweilig werden. Sehr unterhaltsam beschreibt er die Aktivitäten der Reise und die Eigenheiten seiner Mitreisenden um schließlich am Ende seiner Freundin die Schuld am ganzen Schlamassel zu geben.

*Diese Auswahl ist – wie das meiste im Leben – eine sehr subjektive Sache. Sie erhebt nicht den geringsten Anspruch auf Vollständigkeit. Wenn Euch noch Bücher aus und über Namibia einfallen, die inspirieren, bilden oder Lust aufs Reisen machen, schreibt uns!
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Namibisches in Deutschland

Ob als Auswanderer oder zurückgekehrter Tourist: Jeden, der schon einmal in Namibia war, überkommt von Zeit zu Zeit die Sehnsucht. Das Heimweh nach faszinierenden Landschaften, wilden Tieren und freundlichen Begegnungen. Da kann es manchmal schon helfen, in ein Stück Biltong zu beißen oder ein kühles Windhoek Lager zu öffnen. Aber wo gibt es in Deutschland eigentlich namibische Produkte zu kaufen? Wir haben eine kleine Auswahl an Ideen zusammen gestellt.

Biltong-Shop

An welches Essen denkt man zuerst, wenn man an Namibia denkt? Biltong, natürlich. Unweit des Allgäus gibt es noch einen weiteren Laden, der sich auf Delikatessen aus dem südlichen Afrika spezialisiert hat. Hier gibt es neben Biltong, Chutney und südafrikanischen Weinen auch Windhoek Lager zu bestellen. Das Geschäft hat Dienstag  und Donnerstag von 14 Uhr bis 18.30 Uhr geöffnet, freitags von 10 Uhr bis 19 Uhr und samstags von 9 Uhr bis 13 Uhr. Nach Vereinbarung kann man aber auch außerhalb dieser Zeiten vorbeischauen. Oder eben online bestellen.

Savanna Zeller

Wer kein großer Freund von Bier ist, hat in warmen namibischen Nächten sicher auf Cider zurückgegriffen. Savanna Dry erinnert an durchtanzte Konzerte in der Stadt, freundliche Gespräche und gemütliche Braai-Abende. Der Cider aus dem südlichen Afrika ist dank Savanna Zeller mittlerweile sogar in Deutschland zu bekommen. Peter Zeller hat es sich eben zur Aufgabe gemacht, Weltenbummlern auch zu Hause eine südafrikanische Erfrischung anzubieten.

Biershop Hamburg

In Deutschland muss nicht nur auf Savanna nicht verzichtet werden. Auch die Windhoek Lager Fans kommen hier auf ihre Kosten. Im Biershop Hamburg gibt es Biere aus (fast) allen Ländern der Welt – so auch Namibia. Christl Stark sorgt mit ihrem Shop dafür dass Namibia-Fans in Deutschland zwar auf den namibischen Sundowner verzichten möchten, mit einem Windhoek Lager können sich deutsche Sonnenuntergänge aber mindestens genauso gut genießen lassen.

African Heart

Im Münchener Westen betreibt Georg Meyer ein Geschäft aus Leidenschaft. Um die Sehnsucht nach Afrika ein bisschen zu stillen, bieten er und seine Frau allerhand an: Über Lebensmittel, Kaffee und Spirituosen bis hin zu selbstgemachtem Schmuck und Kunsthandwerk. Auf der Internetseite gibt es auch Einblicke in den Laden, der Dienstag bis Freitag von 10 Uhr bis 18 Uhr geöffnet hat, samstags von 10 Uhr bis 13 Uhr. Aber, wie es hier heißt: Wenn die Flagge oben ist, dürfen Sie auch außerhalb der Öffnungszeiten hereinspazieren.

Namibia-Shop

Der gebürtige Namibier Bernd Rust wohnt mittlerweile in Süddeutschland und hat sich darauf spezialisiert, Biltong aus Allgäuer Rindfleisch herzustellen. Seine deutschen Großhändler importieren aber auch Antilopen- und Straußenfleisch aus Namibia und Südafrika. Gewürze, Chutney und andere Delikatessen gibt es in seinem Onlineshop auch zu erstehen. Und mehr noch: Von Zam-Buk über Kudulederschuhen und Emailletassen bis hin zu Flaggen – wer Namibia-Produkte sucht, wird hier fündig.

Potjierie

Back to the roots: Wer es in Namibia geliebt hat, seine Mahlzeit im gusseisernen Topf direkt über dem Feuer zuzubereiten, kann das authentische Buschgefühl auch in Deutschland wieder aufleben lassen. Die Töpfe aus massivem Gusseisen sind nicht nur extrem robust, sie verteilen die Hitze auch gleichmäßig und sorgen so für  effizientes Kochens. Auf der Internetseite findet man verschiedenste Arten der Potjes, außerdem Zubehör und leckere Rezepte.

Namibiana Buchdepot

Wer auf seiner Suche nach Literatur nicht unbedingt auf den bekannten, großen Onlinehändler zurückgreifen will, ist im Namibiana Buchdepot an der richtigen Adresse. Im Buchdepot lässt es sich gut nach Reiseführern, Reiserouten, Berichten und Belletristik stöbern. Für historisch Interessierte ist neben Büchern zur Kolonial- und Missionsgeschichte vor allem das Archiv interessant. Hier werden unter anderem die Veröffentlichungen der ehemaligen SWA Wissenschaftlichen Gesellschaft, der heutigen Namibia Wissenschaftlichen Gesellschaft (NWG), angeboten.

Freundeskreis Gesundheit für Ombili

Der Freundeskreis Gesundheit für Ombili Berlin-Brandenburg e.V. unterstützt die Ombili-Stiftung in Tsumeb. Diese Stiftung setzt sich für die San ein. Sie kämpft für den Erhalt und die Gleichberechtigung der Bevölkerungsgruppe in Namibia. Die schönen Handarbeiten der San, von Körben über Schnitzereien bis Schmuck, kann man beim Freundeskreis erwerben.

Der EES-Shop

Einer, der sich für die Bekanntmachung Namibias in Deutschland engagiert, ist Rapper EES. Der Musiker, der schon seit über zehn Jahren in der Bundesrepublik lebt, verkauft Kleidung aller Art mit seinem Markenzeichen. Im Shop gibt es neben CDs, DVDs und Merchandising auch Schuhe, Mützen und Accessoires in Namibia-Farben. Wer zum Beispiel Namibia-Schuhe ersteht, ist damit in guter Gesellschaft: Rocksängerin Lize Ehlers trug ihre bei den Namibia Annual Music Awards sogar zum Abendkleid!

Der AfricAvenir-Shop

Der gemeinnützige Verein AfricAvenir setzt sich für interkulturellen Dialog und Zusammenarbeit zwischen Afrika und Europa ein. Politische Bildung und Wissensverbreitung – aus afrikanischer Perspektive – sind seine Ziele. Die Hauptgeschäftsstelle in Douala, Kamerun wurde 1985 von Prinz Kum’a Ndumbe III. gegründet. 2000 folgte die deutsche, 2007 die namibische und 2012 die beninische Sektion. AfricAvenir bietet regelmäßig Veranstaltungen in Deutschland und Namibia an. Im Shop gibt es neben Musik und Filmen auch Literatur zu Namibia und ganz Afrika.

Uli Aschenborn

Wer schon einmal in der National Art Galerie oder im Museum von Swakopmund war, dem sind sicher die dynamischen Tierbilder von Uli Aschenborn aufgefallen. Der geborene Südafrikaner, dessen Vater und Großvater schon Tiere gemalt haben, lebt und wirkt in Aachen. Er malt wilde Tiere in seiner eigenen Chamäleon-Technik, die von namibischen Medien „Amazing Changing Art“ genannt wird – weil seine Kunstwerke sich andern, indem der Betrachter an ihnen vorbeigeht. Bilder von ihm sind in Ausstellungen in Deutschland und Frankreich zu sehen.

Imke Rust

Imke Rust ist ein künstlerisches Multitalent. Sie malt, fotografiert, filmt und gestaltet. Dabei drückt sie ihr Inneres aus, verarbeitet Eindrücke von außen und stellt sowohl persönliche als auch soziale und politische Wirklichkeiten dar. Die geborene Windhoekerin hat ihren Bachelor in Bildender Kunst an der Universität von Südafrika gemacht. 2001 und 2005 gewann sie die Standard Bank Namibia Biennale und hat seither viele nationale und internationale Projekte realisiert. Mittlerweile teilt sie ihr Leben zwischen Windhoek und Berlin auf, wo sie nicht müde wird, sich für die Bekanntheit namibischer Künstler einzusetzen.

Habt ihr auch Ideen und Geheimtipps, wo man Namibisches in Deutschland kaufen oder erleben kann? Schreibt uns. Wir freuen uns auf Eure Inspiration!

Geschichtsvergessen?

Im vergangenen Monat erkannte die Bundesregierung die Verbrechen an den Hereros und Namas offiziell als Völkermord an. Auch in Deutschland hat eine breite Medienfront darüber berichtet. Alle Artikel zu diesem Thema haben eines gemein: Sie holen den Leser ganz am Anfang ab, denn kaum einer kennt die deutsche Kolonialgeschichte. Wie kann das sein?

„Namibia – da kann man hinfahren, da hat der Kaiser die Eisenbahn gebaut“, bekommt man vonNamibia Deutschland Muffins älteren, deutschen Herrschaften gerne zu hören. Für die Jüngeren ist Namibia nur irgendein Land in Afrika. Deutsche Kolonie? Schon möglich. Wir wissen nur sehr wenig über die Kolonialgeschichte Deutschlands und über ihren Einfluss in Namibia. Dabei ist es doch ein so beliebtes Reiseland – nicht zuletzt wegen der guten Infrastruktur und der deutschen Einflüsse.

Nicht bloß Eisenbahnen

Doch die Deutschen in Namibia haben Anfang des letzte Jahrhunderts nicht nur Eisenbahnschienen gebaut und Handel betrieben. Sie haben auch gekämpft. So verloren tausende Hereros bei der Schlacht am Waterberg ihr Leben. Wer heute in Namibia Urlaub macht, freut sich zwar über Wurst und ein fröhliches „Guten Tag“ in den Geschäften von Swakopmund, mit der Geschichte setzen sich viele aber kaum auseinander. Gravierender noch ist das Unwissen in Deutschland selbst. Viele Reiseberichte beschreiben die atemberaubende Natur in Namibia und die wenigen Reportagen berichten eher von den Errungenschaften durch die deutsche Kolonialherrschaft als das Thema auch kritisch zu beleuchten.

Dabei ist Namibia kein Einzelfall: Auch die Unterdrückung der Maji-Maji Rebellen in Deutsch-Ostafrika, der etwa 100.000 Menschen zum Opfer fielen oder das Blutbad während des Boxeraufstands in China finden in den deutschen Medien, Museen und Schulbüchern kaum Beachtung. Das koloniale Abenteuer der Deutschen sei  nur kurz und geografisch eingeschränkt gewesen und deshalb unerheblich für die weitere Entwicklung der deutschen Gesellschaft, heißt es aus Regierung und Wissenschaft.

Kritische Betrachtung? Fehlanzeige.

„Meiner Ansicht nach hat sich kaum ein Bewusstsein für die koloniale Geschichte in Deutschland entwickelt. Es existiert faktisch nicht“, sagt Matthias Höhndorf von der Deutsch-Namibischen Gesellschaft (DNG). Das liege zum Einen an der sehr kurzen Zeit, in der Deutschland Kolonien hatte. Die Kolonien seien nach dem Ersten Weltkrieg abgegeben und ihre Geschichte durch die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges überlagert worden.

„Ich glaube sogar, dass die zwangsweise Abgabe der Kolonien dazu geführt hat, dass eine Auseinandersetzung mit der kolonialen Geschichte, wie das für die anderen europäischen Kolonialmächte in den Sechzigern bis in die späten Achtziger notwendig war, Deuschland erspart blieb“, so Höhndorf weiter. Der ehemalige Bundeswehrsoldat hat sich schon in seiner Kindheit in der DDR mit NamibierInnen angefreundet. Weil ihn die Menschen, das Land und seine Geschichte interessierten, war es von dort aus nur noch ein kleiner Schritt zur Deutsch-Namibischen Gesellschaft.

Zwar gebe es schon Medienpräsenz des ehemaligen Deutsch Süd-Westafrikas, vor allem im Fernsehen. Die sei aber etwas verklärt, findet Höhndorf: „Eine kritische Auseinandersetzung wie es mit den Geschehnissen des Zweiten Weltkrieges stattfindet, kann man nicht beobachten.“ Seiner Ansicht nach gebe es in der deutschen Politik keinen Fokus auf die koloniale Vergangenheit. Der Bundestagsbeschluss, in dem von den „besonderen Beziehungen“ zu Namibia die Rede sei, gehe über Entwicklungshilfen und Importe nicht hinaus. Dabei gebe es einige Möglichkeiten. „Wirksamer wären in meinen Augen hier konkretere Maßnamen von Nöten. Man könnte zum Beispiel gleichzeitig den Mangel an Pflegekräften in Deutschland und die hohe Arbeitslosigkeit in Namibia mit der Ausbildung und Anwerbung von Pflegepersonal in Namibia begegnen“ findet Höhndorf. Zum Warmwerden mit der Geschichte empfiehlt er das Buch „Deutsche Kolonien – Traum und Trauma“ von Gisela Graichen und Horst Gründer. „Das ist das umfangreichste Werk zu deutschen Kolonien.“

Zeit, dass sich was dreht

Auch der deutsch-namibische Politologe Dr. Henning Melber findet, dass Aufklärung unter den jetzigen Bedingungen kaum eine Chance habe: „Wir verfügen nicht über die Medien, und in den Schulen hat sich wenig getan. Es wird also weiter eine Relativierung der deutschen Kolonialgeschichte stattfinden. In diesem Zusammenhang wäre es aber schon interessant zu erfahren, wie die Akzeptanz derartiger Geschichtsverzerrung   durch Teile der Bevölkerung zustande kommt. Es müssten die tiefenpsychologischen Wurzeln offengelegt werden, die es ermöglichen, dass es nach wie vor gelingt, Kolonialgeschichte relativierend darzustellen.“

Nun aber scheint der Ball langsam ins Rollen zu kommen. In diesem Jahr ist das Ende des Ersten Weltkrieges in Namibia und damit das Ende der deutschen Kolonialherrschaft 100 Jahre her. Hage Geingob, der neue Präsident Namibias, ist stärker als sein Vorgänger Hifikepunye Pohamba an einer Aufarbeitung interessiert und die Anerkennung des Massakers der Türken an den Armeniern als Völkermord durch den deutschen Bundestag hat dem Thema neue Aufmerksamkeit verschafft. All das führte dazu, dass Bundestagspräsident Norbert Lammert Anfang Juli das aussprach was die damalige Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul schon 2004 sagte: Das Massaker am Waterberg sei Völkermord gewesen. Die Bundesregierung tat es ihm nach und bekannte sich offiziell zum Genozid an den Hereros und Namas.

Zukunft gestalten

Ein historischer Schritt für jene, die sich nicht zufrieden geben mit der „besonderen historischen Verantwortung Deutschlands gegenüber Namibia“. Die wiederholte die Bundesregierung in der Vergangenheit gerne und betonte zugleich, dass die UN-Völkermordskonvention von 1948 nicht rückwirkend gelten könne. Noch bedeutsamer als die Anerkennung ist aber die Tatsache, überhaupt einmal wieder in deutschen Medien über die gemeinsame Geschichte zu lesen. Das kann nicht nur Interesse an dem faszinierenden Urlaubsland wecken. Es kann auch Anlass sein, gemeinsam an der Zukunft zu arbeiten – zum Nutzen von beiden Partnern.

„Kollektivschuld gibt es nicht“, heißt es oft oder: „Was können wir dafür, was Menschen aus unserem Land vor vier Generationen getan haben?“ Doch alle, die beim Fußball mit schwarz-rot-goldenem Gesicht euphorisch „Schlaaaand!“ rufen, können auch über Folgendes nachdenken: Darf man sich aussuchen, wann man sich mit seinem Land identifiziert und wann nicht?

„Du musst dich nicht schuldig fühlen“, sagt manch Weißer in Windhoek gerne, „aber du kannst die Geschichte deines Landes zum Anlass nehmen, um etwas Gutes zu bewirken.“

Schlacht am Waterberg

Vorbild mit guten Vibrations – EES im Interview

In Namibia ist er ein Superstar, in Deutschland noch ziemlich unbekannt. Dabei lebt EES mittlerweile seit über zehn Jahren in Köln. Hier will er die Nam Flava Music, seine eigene Mischung aus namibischen Kwaito, Reggae und Hip-Hop, berühmt machen und die Menschen motivieren. Wir haben den 31jährigen in Köln-Mühlheim getroffen.

Welwitschia: EES, wie hat es dich nach Köln verschlagen?

Als ich den Plan gefasst hatte, nach Deutschland zu kommen, habe ich am Strand von Namibia meinen ehemaligen Chef kennengelernt. Der hat in Namibia Urlaub gemacht und mich gefragt: „Was willst du machen? Dann komm mal rüber!“ Da hatte ich gerade meine Ausbildung in Südafrika abgeschlossen. Dort hatte ich auch einen Plattenvertrag, der kurz vorher geplatzt war. Dann dachte ich mir: Ich will einfach erst einmal raus aus Afrika. Denn du hast so viel aufgebaut und gemacht – und dann ist alles geplatzt. Und natürlich die Liebe. Das war auch der Hauptgrund, warum ich hier hin wollte. Ich habe eine deutsch-italienische Freundin, die eine lange Zeit in Namibia gewohnt hat und dann zurück nach Deutschland gezogen ist.

Welwitschia: Seitdem wohnst du hier?

EES Interview mit Welwitschia in KölnJa, seitdem wohne ich hauptsächlich in Köln, bin aber sehr viel unterwegs. Ich verbringe etwa drei bis fünf Monate im Jahr in Namibia. Obwohl es langsam ein bisschen weniger wird, weil ich mich mehr auf den europäischen Markt konzentrieren will als auf den afrikanischen. Da bist du ein bisschen limitiert, in Europa sind die possibilities noch größer. Und ich finde einfach dieser Sound, den wir da unten haben, der hat so etwas cooles, so etwas besonderes, dass wir ihn nicht für uns behalten sollten. Wir sollten ihn mit den Leuten hier teilen.

Wenn ich sehe, wie Musik gebraucht wird, um violence und negativity und materialism zu pushen, denk ich mir: Lass uns doch lieber das Tanzen pushen. Lass uns das Feeling pushen. Meine Mission ist, Kwaito und die afrikanische Musik hier bekannt zu machen. Und auch den Style, das Lockere, die kurzen Hosen zum Beispiel und den Stoffschlapphut. Deshalb mach ich auch diese ganzen Videos, um den Leuten zu zeigen: „Hey check, so ziehen wir uns bei uns an, so macht man Feuer, so jagt man ein Rhino.“

Welwitschia: Du willst mit deiner Musik also Gutes tun?

Ja, denn Musik hat so viel Power, um Leute zu beeinflussen. Leider gebrauchen viele Künstler diese Power sehr egoistisch und sagen: Wenn ich jetzt einen Song über Geld und halbnackte Frauen mache, wird mein Video mehr geguckt, dann kaufen mehr Leute meine CD. Ich, ich, ich – mehr Verkäufe, mehr Fame, anstatt zu sagen: Lass mich doch ein Video machen über Education, Zusammenhalt, Nation Buildung. Das würden die Leute sehen und denken: Das geht im Video, dann geht das auch im echten Leben. Denn was du siehst, nimmst du auf. As an artist, you have great power, and with great power comes great responsibility. Aber die Leute werden durch Medien wie RTL2 auch echt verblödet. Das heißt, man schwimmt hier gegen eine große Welle an.

Welwitschia: Ist das anstrengend?

Das ist sehr anstrengend. Aber zum Glück gibt die Musik einem sehr viel Kraft, um in der Richtung weiterzumachen. Oft kriegt man so kleine inspirations, wenn dir jemand eine Message schreibt und sagt: „Ich seh‘ was du machst, ich verstehe es, ich finde es cool, ich supporte dich.“ So ein Brief in der Woche, da hat man schon wieder Power für zwei Wochen. Das ist cool.

Welwitschia: Du nimmst die Verantwortung also an?

Ja, und es bringt dir ganz wenig Geld, und das ist das Problem: Du siehst andere Künstler, die machen, was einfach ist für den Markt und siehst, wie die mit einem heavy Speed an dir vorbeiziehen. Und wie viele tausende Millionen Leute die erreichen mit ihren schlechten Motiven. Das ist ein bisschen frustrierend.

Welwitschia: Aber du hast ja die Wahl.

Ja, die hab ich. Ich kann auch das machen, was die anderen machen. Aber kann ich dann abends schlafen gehen und mir sagen: Das ist die Kunst, die ich der Welt schenke? Wem hilft das? Wen motiviert das? Musik ist ja Vibration. Diese Vibrations treffen deinen Körper. Das heißt, du bist in einer ganz normalen Stimmung. Hörst einen traurigen Song, noch einen, noch einen, dann fühlst du dich irgendwann traurig. Dein Körper besteht ja aus Molekülen, die auch die ganze Zeit vibrieren Diese Vibrations können einiges bewirken.

Welwitschia: Also siehst du auch deine Vorbildfunktion?

Auf jeden Fall, denn die Leute sehen ja, was du machst, auf Facebook, Instagram, Youtube und so weiter. Wenn ich mir einen Joint reinziehe und denke: „Uh, ich bin cool, weil ich einen Joint rauche“, dann denken die Zehnjährigen: „Der ist cool, der zieht sich einen Joint rein.“ Mein Image ist eher: Kein Alkohol, keine Drogen. Wenn ich in einen Club gehe, würde keiner mir ein Bier kaufen. Obwohl alle mir ein Bier kaufen wollen. Aber sie wissen: der EES trinkt ja keinen Alkohol.

Welwitschia: Wo wir über Zehnjährige sprechen: Wie empfindest du die Bildungssituation in Namibia?

In Namibia wird es immer besser, step by step. Man kann dabei zugucken. Natürlich sind wir noch immer nicht da, wo wir sein sollten. Bildung ist eines der wichtigsten Dinge, denen man in Namibia noch mehr Power geben sollte. Denn Bildungsmangel führt zu Armut, führt zu Kriminalität, und so weiter… Wenn man sich um die Bildung kümmert, kümmert man sich gleichzeitig auch um vieles andere. Namibia macht schon viel dafür. Aber es ist auch an uns Vorbildern, Künstlern, Politikern da auch noch Druck zu machen.

Welwitschia: Die Verantwortung liegt also nicht allein bei der Regierung?

Nein, bei allen eigentlich. Auch bei den Eltern. Die müssen auch als Vorbild funktionieren und ihre Kinder zur Schule schicken. Auf den Dörfern gibt es manchmal noch nicht diesen Druck, da reicht es, wenn die Kinder auf die Rinder aufpassen. Aber grundsätzlich wird schon Druck gemacht. Bei den Lehrern könnte man, glaube ich, auch noch etwas verbessern. Da hört man manchmal Geschichten, dass welche besoffen in die Schule kommen.

Welwitschia: Es gibt ja auch aus Deutschland einige Bildungsinitiativen. Wie stehst du dazu?

Das PASCH-Institut, das die MLH (Martin Luther High School d.Red.) unterstützt, ist eine super Sache, finde ich. Wie gesagt: Die Deutschen machen sehr viel. Wie Omaruhu Heaven, Namibia Kids e.V. und Welwitschia. Da wird viel getan – von Deutschland aus. Powerful. Die Deutschsprachigen in Namibia leben eher ihr Leben und machen ihr eigenes Ding. Aber Annette und Jan Oelofse, die Naturschützer und Gründer des Okonjati Wildreservats, haben eine eigene Schule für ihre Safari Lodge gebaut – für 35 Kinder. Sie bezahlen alles, die ganze Bildung bis zur sechsten oder siebten Klasse. Das ist super, was sie da machen.

Welwitschia: Du kennst das Leben in Deutschland und Namibia ja gleichermaßen. Was gefällt dir hier besser, was dort?

EES Interview mit Welwitschia in KölnWas die technische Ausstattung angeht, ist Deutschland echt super. Wenn du im südlichen Afrika Sachen kaufst, gibst du eine Menge Geld aus. Namibische Internetverbindungen sind für Afrika sehr gut. Im Vergleich zu Deutschland natürlich schlecht. Aber es wird immer besser, in fünf Jahren sind wir da, wo Deutschland jetzt auch ist. Es ist auch cool immer wieder nach Hause zu kommen und jedes Mal diese kleinen Verbesserungen zu sehen.

In Deutschland fehlt mir ein bisschen das Lockere – was logisch ist. Wenn Winter ist, kannst du nicht locker sein. Du brauchst Sonne, um locker zu sein. Deshalb sieht man, wenn der Sommer kommt, wie angenehm die Deutschen auf einmal werden. In Namibia wiederum sind die Leute nicht so pünktlich, was auch verständlich ist, denn aus der Geschichte kennen sie es nicht, dass ein sechs Monate langer Winter kommt: Wenn ich im Sommer nicht arbeite, dann verrecke ich im Winter. Bei uns drückt man etwas in den Boden, das wächst dann schon.

Welwitschia: Was vermisst du hier am meisten?

Ich vermisse meine Familie, aber da kann Deutschland nichts für. Und es ist das Locker-Freundliche, das ist was mir ein bisschen hier fehlt. Das sagen auch viele Leute, wenn sie nach Namibia kommen: Die Leute sind herzlich und warm. Hier sind sie freundlich und höflich, aber das herzliche fehlt manchmal. Klar hast du ein paar Spots, bei denen du denkst: Ja, in dieser kölschen Kneipe war es nice. Aber im Generellen ist es ein bisschen abgegrenzter. In Namibia kannst du dich nicht so abgrenzen, weil das Land dafür einfach zu klein ist.

Welwitschia: Was ist dein Plan für das nächste Jahr?

Ich will größer auf Youtube werden. Weil ich einfach sehe, wie powerful Youtube jetzt wird. Youtuber, die eigentlich kein Talent für Musik haben, machen jetzt Songs und diese Songs kommen in die Charts. Eigentlich traurig. Aber wenn du sie nicht besiegen kannst, verbünde dich. Das will ich jetzt gerne mehr machen, darauf konzentriere ich mich. Ich werde auch nicht mehr so viele Alben produzieren sondern mehr Singles. Warum sollte sich jemand ein Album kaufen, wenn er 33 Millionen Songs im Internet hören kann? Und auf Youtube ist die Nachfrage riesengroß.

Welwitschia: Kannst du deine Message in einem Satz zusammenfassen?

In einem Wort: Motivation. Positive Motivation. Wenn du an einem tiefen Punkt bist, will ich, dass du meinen Song hörst und denkst: „Ach komm, ich versuch’s nochmal!“

Welwitschia: EES, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Ines Bresler

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