Archiv der Kategorie: Die Initiative

Welwitschia organisiert Diskussion zum Grundeinkommen

Der Traum vieler Menschen würde wahr werden – Geld verdienen ohne arbeiten und mit diesem Geld sogar über die Runden zu kommen. Das zumindest verspricht das Konzept „Bedingungsloses Grundeinkommen“ (BGE). In der Schweiz wird am 5. Juni darüber abgestimmt, ob es dort eingeführt werden soll, in Finnland diskutiert man darüber, ob Pilotprojekte gestartet werden sollen und auch in Deutschland wachsen die Initiativen, die das BGE befürworten. Einige der wenigen Orte auf der Welt wo das Konzept in der Praxis ausprobiert wurde, ist Otjivero in Namibia. 2008 haben dort für ein Jahr Menschen unterhalb des Rentenalters ein bedingungsloses Grundeinkommen bekommen.

Am Samstag hat Dr. Sabine Klocke-Daffa genau dieses Projekt am Weltethos-Institut in Tübingen in einem Vortrag vorgestellt. Als Wissenschaftlerin an der philosophischen Fakultät der Uni Tübingen hat sie untersucht, ob das BGE positive Effekte in dem namibischen Ort erzielen konnte und ist zu dem Schluss gekommen, dass es den Menschen ökonomisch im Anschluss nicht wesentlich besser ging, die sozialen Kontakte innerhalb des Ortes aber gestärkt wurden. In der anschließenden Podiumsdiskussion haben der grüne Landtagsabgeordnete Thomas Poreski, der Geschäftsführer des Weltethos-Instituts Dr. Bernd Villhauer und den Juniorprofessor Dr. Christian Manger vom Makroökonomie-Lehrstuhl der Uni Tübingen gemeinsam mit Klocke-Daffa über die verschiedenen Konzepte des BGE diskutiert. Während Villhauer Bedenken anmeldete, dass das BGE in Deutschland eher ein Luxusproblem ist welches den Unterschied zu ärmeren Ländern zementieren oder gar vergrößern könnte, ist Poreski sich sicher, dass dadurch in Deutschland Bürokratie abgebaut würde. Einen anderen Ansatz verfolgte Klocke-Daffa. Sie ist für das BGE, jedoch zweifelt sie die Herangehensweise vieler Konzepte an, da diese nur die ökonomischen Aspekte in Betracht ziehen. Manger brachte die wissenschaftliche Seite in die Diskussion ein, wobei er die Mehrheit repräsentierte, die sich nicht sicher ist, ob ein BGE wirklich sinnvoll ist oder nicht.

Insgesamt war es eine sehr lebendige und vor allem gut besuchte Veranstaltung mit der die Diskussion über das Bedingungslose Grundeinkommen auch nach Tübingen gekommen ist. Trotz der verschiedenen Meinungen auf dem Podium waren sich die DiskutantInnen schließlich einig, dass es die eine Lösung nicht gäbe und dass die Diskussion von der rein ideologischen Ebene weg kommen muss. Klocke-Daffa fasst es so zusammen: „Es bringt nichts ewig daran rum zu diskutieren, wir müssen es ausprobieren!“

Welwitschia Tübingen

Bedingungsloses Grundeinkommen Tübingen Bedingungsloses Grundeinkommen Tübingen

Vortrag und Podiumsdiskussion in Tübingen

Unsere Regionalgruppe Tübingen einen Vortrag zum Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) mit anschließender Diskussion. Dr. Sabine Klocke-Daffa ist Ethnologie-Forscherin an der Philosophischen Fakultät der Uni Tübingen und war an einem Pilotprojekt zum BGE in Otjivero selbst beteiligt und wird an diesem Abend in einem Vortrag das Projekt vorstellen. Im Anschluss wird im Rahmen einer Podiumsdiskussion allgemein über das BGE diskutiert. Hierfür konnte Welwitschia den grünen Landtagsabgeordneten Thomas Poreski, den Geschäftsführer des Weltethos-Instituts Dr. Bernd Villhauer und den Juniorprofessor Dr. Christian Manger vom Makroökonomie-Lehrstuhl der Uni Tübingen gewonnen werden. Auch Frau Klocke-Daffa wird hierbei ihre Meinung kundtun.

Vortrag und Podiumsdiskussion finden am Samstag, 28. Mai ab 16.30 Uhr im Weltethos-Institut in der Grabenstraße 26 in Tübingen statt. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Nach Ende der Veranstaltung wird es die Möglichkeit geben in gemütlichem Rahmen die Diskussion und den Austausch fortzusetzen.Bedingungsloses Grundeinkommen Tübingen

Neuer Vorstand 2016

Für das laufende Jahr wurde von unseren Mitgliedern wieder ein neuer Vorstand gewählt. Dabei gab es zwei Änderungen: Johannes Vogelsang, Schriftführer, und Philipp Walter, stellvertretender Vorsitzender, scheiden dieses Jahr aus dem Vorstand aus um Platz für neue Gesichter zu machen. Wir bedanken uns sehr für ihre tolle Arbeit und freuen uns darüber dass sie weiterhin als aktive Mitglieder Welwitschia treu bleiben! Lena Stöcker, von nun an neue Schriftführerin, und Moritz Wargalla, neuer stellvertretender Vorsitzender, sind von für 2016 die neu gewählten Vorstandsmitglieder. Die fünf Vorstandsmitglieder stellen sich hier nun vor.

Carsten Rietmann – Vorsitzender

CarstenIch bin 24 Jahre alt, habe meinen Freiwilligendienst in Windhoek absolviert und vor kurzem meine Promotion in Wirtschaftsgeographie in Los Angeles begonnen.

Sowohl die deutsche als auch die namibische Welwitschia-Organisation als auch die Kooperation durch den NamCareerService hat sich im vergangenen Jahr toll entwickelt. Auch wenn wir immer wieder auf Herausforderungen stoßen, zeigt sich gerade auch darin, wie sinnvoll das Konzept von Welwitschia ist. Als Vorsitzender konnte ich die Gründung miterleben, an der Entwicklung teilnehmen und gemeinsam mit den anderen deutschen und namibischen Mitgliedern als auch vielen Freiwilligen viele Projekte anstoßen. Da wir noch viele weitere Ideen sowohl in Namibia als auch in Deutschland haben und ich bei meinem Besuch im Sommer vor Ort die Notwendigkeit unser Initiative gesehen habe, freue ich mich auf ein weiteres Jahr als Vorsitzender.

Moritz Wargalla – Stellvertretender Vorsitzender

MoritzMein Name ist Moritz Wargalla und ich bin 25 Jahre alt. Derzeit befind ich mich in der Endphase meines Jurastudiums in Berlin, das ich im April abgeschlossen haben werde. 2010/2011 war ich als weltwärts-Freiwilliger in Windhoek, Namibia.

Schon zu meiner Zeit in Namibia war ich aktiv an den Planungen zur Gründung des Vereins beteiligt. Während der letzten Jahre habe ich mich bei der Stipendienauswahl und bei der Anerkennung des Vereins als gemeinnützig engagiert. Gerne möchte ich mich jetzt aktiver in die Vereinsarbeit einbringen und mich im Vorstand schwerpunktmäßig darum kümmern, dass unser Verein als gemeinnützig anerkannt wird.

Julia Legge – Zweite Stellvertretende Vorsitzende

JuliaIch bin 24 Jahre alt und arbeite als Referentin für Bildungs- und Inlandsarbeit bei Ingenieure ohne Grenzen in Berlin.

Ich konnte die Entwicklung von Welwitschia von Anfang an, seit meinem weltwärts-Jahr 2010/11 begleiten. Wir haben als Verein in den letzten Jahren viel erreicht. Als ehrenamtliche Organisation gibt es dennoch immer wieder Hürden, die wir aus dem Weg räumen müssen. Welwitschia als junger, idealistischer Verein hat großes Potential weiter zu wachsen und eine professionell arbeitende Organisation in der internationalen Zusammenarbeit zu werden. Hierzu möchte ich auch im kommenden Jahr meinen Beitrag als Teil des Vorstands leisten.

Kolja Lichtenthäler – Finanzvorstand

KoljaIch bin 24 Jahre alt und studiere in Aachen Maschinenbau im zweiten Mastersemester.

Im vergangenen Jahr habe ich mich als Finanzvorstand um die monetären Belange von Welwitschia gekümmert. Da mir diese Aufgabe gut gefällt und ein ich sehr spannendes Jahr im Welwitschia-Vorstand hinter mir habe, freue ich mich darauf 2016 ein weiteres Mal als Finanzvorstand zu fungieren.

Lena Stöcker – Schriftführerin

LenaIch bin 22 Jahre alt, studiere Soziologie und Politik an der Universität Tübingen und bin neue Schriftführerin im Vorstand.

Mit Welwitschia bin ich seit einem Seminar an der Uni Tübingen im Wintersemester 14/15 verbunden und konnte mich gleich mit der Idee von Welwitschia identifizieren. Seit April 2015 bin ich zudem in der Regionalgruppe aktiv und übernehme hierbei eine tragende Rolle. Ich habe für ein Vorstandsamt kandidiert, da ich noch neu im Team bin und dadurch neue Impulse einbringen kann. Zudem ist meine Mitarbeit im Vorstand eine gute Möglichkeit eine aktive Verbindung zwischen der Regionalgruppe Tübingen und Vorstand zu schaffen.

Gewinner unseres Essay-Wettbewerbs

Ende letzten Jahres fand wieder unser beliebter Essay-Wettbewerb statt. Wir haben NamibierInnen dazu aufgerufen in einer Erörterung ihre Gedanken zu kostenloser Bildung in Namibia aufzuschreiben. Als Thema wurde vorgegeben ob es sinnvoll ist, Bildung in Namibia kostenlos anzubieten und, falls ja, wie dies schließlich finanziert werden soll. Inzwischen hat die Regierung Namibias auch die Sekundarstufe (7.-12.Klasse) von den Schulgebühren befreit.

Eine Jury aus jeweils zwei Mitgliedern von Welwitschia Namibia und Welwitschia Deutschland haben dann schließlich den Gewinner unter den Einsendungen gekürt. Der Preis sind N$750 und ging an Sem Uutoni der zur Zeit in Ungarn studiert. Herzlichen Glückwunsch! Und hier könnt ihr das Essay nachlesen.

Access to education is credibly a prominent pillar of sustainable development and economic prosperity of any country. The introduction of free primary education in Namibia is a substantial step in improving access to education nationwide; however this could also result into a blockage if the citizens cannot access the other levels of education that is why it is essential to expand free education to secondary and tertiary level. The importance of education cannot be overemphasized, an educated nation forms basis for social and economic development. Without an education nation the human pursuits of economy, society and culture cannot be sustained. By placing a prerequisite importance and accessibility to all levels of education in Namibia, the country will create an enabling environment for its citizens to thrive and continue to make significant contributions to the development and advancement of the country.

Expansion of free education to secondary and tertiary levels is a good move in Namibia. Having one level of education free, and the other paid for will create a shortage of educated citizens and it will create blockage whereas a large number of pupils will drop out of school after primary school, this two issues are ultimately what free education wants to tackle. Namibia has attained great strides in achieving national and global education goals. With the establishment of free primary education, Namibia has just achieved the Millennium Development Goal 2, which aims to achieve universal primary education. Considering the recent adoption of the Sustainable Development Goals, this is the best time for Namibia to expand free education to secondary and tertiary levels as well.   The new goals embody quality education at all levels a priority and there is also access to different funding mechanisms available.

While free education is good initiative, it is essential that the quality of education is maintained. It is imperative that the government establishes and implements regulations and standards that will ensure the quality of the education system doesn’t deteriorate should free education be adopted. Furthermore, the establishment of free education at secondary and tertiary levels will not entail that every student will get admission, however it entails that all the students that meet the requirements of the specific course or institution will gain admission and access to free education. This highlights the fact that students still need to work hard to attain the best grades they can and to gain admission and benefit from free education.

Free education not only benefits the students however it can significantly impact the economy and economic development of the country in the long run. Education improves the skills, knowledge and the abilities of the citizens; this will lead these individuals into to being agents of positive change in their communities. Education further increases the productivity, improves efficiency and helps the citizens optimally use the available resources to increase and improve productivity. Education further fuels innovation and entrepreneurship and this has enormous benefits to a country’s development. All these factors help the country achieve social and economic development, and this helps the overall prosperity of and country, and it improves the wellbeing and standard of living of the inhabitants.

Funding free education at all levels in Namibia is attainable and will not big a major challenge. Namibia’s small population will make it easier for the government to plan and allocate resources to the education sector without many barriers. In the past years, much of the National Budget was allocated to education sector; doubling or tripling that amount would make it sufficient to cover for free education. Namibia as a country can set up a quota that every industry has to contribute towards the education fund per month. Industries like mining, fishing, agriculture and tourism contribute greatly to the GDP of the country, if a mechanisms can be establish that would allow this industries to pay a certain percentage to education fund per month this will provide money that can be used to fund free education at all levels. The country can further explore funding opportunities from organizations such as the United Nations and the Official Development Assistance through the Organization for Economic Co-operation and Development.

Finally, the author concludes that the role of state in a country in any country is to invest in the future and welfare of its citizens. Education is a great tool that can be used to lift people out of poverty in an irreversible manner. Quality education is a catalyst towards achieving and accessing factors that contribute to human wellbeing such as employment; health; access to housing and access to water and food ultimately this leads to social development and improvement in human wellbeing. The success of these free education aspirations lies not only in the hands of government but substantially in the hands of its citizens, it is therefore essential for the government to create platforms that empower citizens and gives them an opportunity to partake actively and contribute to this aspiration. The Namibian government has done a phenomenal job so far in availing student loans, bursaries, grants and scholarships, however there a huge potential that exists in improving and increases access to education in Namibia for all.

Sem Uutoni

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Afrika-Festival in Tübingen

Vor wenigen Wochen erst wurde die Welwitschia-Regionalgruppe Tübingen gegründet, herausgegangen ist sie aus einem Seminar an der Universität. Zehn Studierende haben sich schließlich zusammengeschlossen um Welwitschia in Tübingen zu vertreten. Auf dem Afrika-Festival am vergangenen Wochenende führten sie ihr erstes gemeinsames Projekt durch.

Bereits zum sechsten Mal wurde das Festival von der Gruppe AfrikAktiv organisiert, für die Regionalgruppe war schnell klar, dass so eine Gelegenheit nicht ungenutzt bleiben soll. Bereits bei ihrem ersten Treffen beschlossen die Studierenden eine Ausstellung auf die Beine zu stellen. Das Bild von afrikanischen Ländern in den deutschen Medien wird von Begriffen und Themen wie „Armut“, „AIDS“ oder „Hunger“ dominiert. Mit der Ausstellung soll dieses Bild diversifiziert werden. Hierfür wurden NamibierInnen nach ihrer Vorstellung von Deutschland befragt sowie Deutsche zu Namibia. Herausgekommen sind mehrere Texte und Bilder die beim Afrika-Festival zum ersten Mal vorgeführt wurden. Die BesucherInnen wurden durch unseren Pavillon geführt und der Hintergrund der Ausstellung erklärt. Als Informationsstand ist es nicht einfach auf solch einem Festival Aufmerksamkeit zu erlangen. Mit dieser Ausstellung haben wir das jedoch geschafft. Sehr interessiert lasen die BesucherInnen die Texte und begutachteten die Bilder, das Echo war durchweg positiv.

Insgesamt waren die zehn Mitglieder der Regionalgruppe 41 Stunden über vier Tage verteilt auf dem Festival vertreten, eine tolle Leistung! Es wurden viele Kontakte geknüpft und auch Spenden eingesammelt die wir für unsere Aktivitäten in Deutschland und Namibia verwenden können.

Die Regionalgruppe versucht nun für diese Ausstellung einen Raum zu finden, in dem die Exponate über mehrere Wochen ausgestellt werden können.

Vielen Dank an Dietmar Rauskolb für die Bilder!

Abschlussbericht der ASA Nordphase

Von April bis Juli waren unsere beiden ASA-Stipendiatinnen Anna und Eva in Deutschland und haben sich im Rahmen des SüdNord-Programms für Welwitschia engagiert. Bevor es bald mit der Südphase in Namibia weitergeht fassen sie hier die Aktivitäten, Erlebnisse und Erfahrungen für euch zusammen. Wir bedanken uns für euer Engagement und freuen uns schon sehr auf die gemeinsame Zeit mit euch in Namibia

Hier in Deutschland wirkt der afrikanische Kontinent weit weg. Beziehen wir uns auf die Medien, dann sind die afrikanischen Länder ein Paradies für Tiere, aber kein schöner Platz für Menschen: Armut, Hunger, Epidemien und Krisen prägen das tägliche Leben. Jede Menge schlechter Nachrichten und Dokumentationen über den “wilden Kontinent” erreichen uns – und liefern ein nicht vollständiges Bild und oft falsche Vorstellungen. Und obwohl wir mit manchen Ländern eine gemeinsame Geschichte teilen, ist unser Wissen darüber manchmal nur sehr gering.

Als deutsch-namibisches Team haben wir, Eva Shitaatala und Anna-Paloma Sasse, öffentliche Vorträge und Workshops in verschiedenen Schulformen und unterschiedlichen Klassenstufen gehalten, in denen wir uns mit genau diesem Thema auseinander gesetzt haben, aber auch über das politische und Bildungssystem sowie über die koloniale Vergangenheit Namibias – die Grundlage der aktuellen Debatte um die Anerkennung des Völkermordes an den Nama und Herero Anfang des 19. Jahrhunderts ist – gesprochen.

Workshops an Schulen

Die Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonialvergangenheit findet nicht in allen Schulen statt. Doch wie ein Blick in die Zeitung zeigt, handelt es sich bei der deutsch-namibischen Verbindung nicht um etwas, das sich auf die Vergangenheit beschränkt. Aber wie viel wissen Schüler eigentlich über das Land? Genau mit dieser Frage sind wir in unsere Workshops eingestiegen und haben durchgängig ein einheitliches Bild bekommen: Wir wissen „wenig“ bis „gar nichts“. Doch wenn wir anschließend gefragt haben, was sich die Schüler vorstellen, wenn sie an Namibia denken, dann haben wir zahlreiche Begriffe genannt bekommen, mit denen wir ein anschauliches Bild über die Vorstellungen der Schüler an die Tafel gebracht haben. Besonders bei jüngeren Schülern entsprachen die Aussagen der „typischen“ Vorstellung vom armen Kontinent, wo Kinder nicht zur Schule gehen und die Menschen keinen Strom haben; wo Menschen in Häusern ohne Türen leben und Hunger leiden.

Die Konzeption unserer Workshops zielte darauf ab, das Bild von Namibia in Deutschland zu diversifizieren, sowie über die historische wie auch aktuelle Beziehung zwischen Deutschland und Namibia aufzuklären. Wir wollten den Schülern aber nicht vermitteln, dass ihre Vorstellung falsch ist, sondern dass sie vielmehr unvollständig ist. In einer kurzen Präsentation zu Beginn jedes Workshops zeigten wir ein vielfältigeres Bild über Namibia auf und haben dabei auch nicht die Schattenseite „Armut“ unter den Teppich gekehrt. Durch die interaktive Gestaltung gaben wir Raum, in dem sich die Schüler selbst darüber bewusst werden konnten, welch einseitiges Bild hier in Deutschland ankommt, und dass sie sich Gedanken darüber machen, welche Auswirkung eine einseitige Sichtweise auf unseren Alltag haben kann.

Die Schüler waren häufig überrascht, Seiten von Namibia kennenzulernen die so gar nicht ihrer Vorstellung entsprechen und fanden es spannend, Informationen zu dem Land zu erhalten, in dem noch heute so viele Überbleibsel der deutschen Kolonialzeit im täglichen Leben zu finden sind. Und trotz der Herausforderung den 90minütigen Workshop auf Englisch zu folgen, zeigten die Schüler viel Interesse – auch wenn die Sprache manchmal hinderlich war, eine lebhafte Diskussion zu führen.

Vorträge

Welwitschia – Bildungsinitative für Namibia e.V. unterstützt junge NamibierInnen auf deren Bildungs- und Karriereweg. Doch wie genau sieht die Bildungssituation in Namibia aus? Seit der Unabhängigkeit versucht das Land viel, die negativen Hinterlassenschaften der Bantu Education zu überwinden und investiert viel in das Bildungssystem. Mit Rückblick auf den geschichtlichen Hintergrund haben wir in verschiedenen Vorträgen an Universitäten und öffentlichen Einrichtungen einen Überblick über Errungenschaften, aber auch über noch immer bestehende Herausforderungen gegeben.

Deutschlandweit unterwegs, ging es neben diesem Thema aber auch um den Umgang mit Stereotypen in der Bildungsarbeit, das politische System in Namibia und die deutsch-namibische Beziehung.

ASASeminare

Wichtiger Bestandteil des ASA-Programms sind die mehrtägigen Seminare. Zwei Mal für sechs Tage nahmen wir mit etwa 60 anderen ASA-TeilnehmernInnen an den Seminaren teil.

Ein zentraler Punkt in der Vorbereitung für den bevorstehenden Auslandsaufenthalt ist es, über globale Machtstrukturen aufzuklären und es den ASA-TeilnehmerInnen zu ermöglichen, die eigene Position im globalen Gefüge zu reflektieren und sich der eigenen Rolle bewusst zu werden. Dabei wurde stark Bezug auf den strukturellen Rassismus (nicht gleichzusetzen mit Rechtsextremismus) genommen und verschiedene Themen, die mit Diskriminierung und Privilegien in Verbindung stehen, besprochen. Gleichzeit gaben die Seminare Raum für eigene Lernerfahrung und den Austausch mit anderen TeilnehmerInnen aus dem globalen Norden und Süden.

Interkulturelle Begegnung

Als internationales Tandem war es unser Ziel, auf Augenhöhe miteinander zu arbeiten, uns zu ergänzen und voneinander zu lernen. Die intensive Zeit zusammen war nicht immer reibungslos, doch über das Zusammentreffen zweier Menschen, die gemeinsam das Projektpraktikum durchleben, haben sich auch zwei Menschen gefunden, die miteinander reisten, kochten, lachten und diskutierten und Freunde wurden.

Aber nicht nur auf persönlicher Ebene ist ein solches interkulturelles Team eine Bereicherung. In den Workshops und Vorträgen war es sehr wertvoll, dass nicht nur jemand aus Deutschland über Namibia, sondern jemand vom eigenen Land berichten kann. Es war zu merken, dass es eine besondere Chance war, Fragen aus erster Hand beantwortet zu bekommen und gab besonders in den Schulklassen den Gesprächen eine andere Gewichtung. Besonders die Frage einer Schülerin an Eva blieb uns dabei im Gedächtnis: „Wie geht es dir damit, wenn wir so falsche Dinge über dein Land denken?“.

Herausforderungen

Welwitschia – Bildungsinitiative für Namibia e.V. ist ein sehr junger und noch recht unbekannter Verein, und die Auseinandersetzung mit Themen die in Verbindung mit Namibia stehen scheinen oftmals sehr speziell, weshalb das Interesse an unserer Arbeit oft nicht auf großen Rücklauf stieß. Dadurch war es schwierig, Termine in Schulen zu bekommen und wir uns auf persönliche Kontakte beziehen mussten. Auch bei den Vorträgen waren oftmals nur wenige Zuhörer anwesend.

Und auch zwischenmenschlich lief nicht immer alles reibungslos. Doch ganz im Sinne von ASA Programm als Lernprogramm, konnten wir alle aufkommenden Schwierigkeiten gut meistern, indem wir offen miteinander kommuniziert und Lösungen gesucht haben – und Schwierigkeiten zu wertvollen Lernerfahrungen wurden.